Bachmühle

Der geschichtliche Ausgangspunkt vieler Mühlen verliert sich im Dunkeln. Gesichert ist jedoch die Erkenntnis, dass die Klöster in unserer Gegend als erste die Wasserkraft nutzten.

Eine dieser Klostermühlen war die Bachmühle. Sie gehörte zum Besitz des 1215 gestifteten Zisterzienserinnen-Klosters Frankenhausen, wurde vom Thaleber Bach angetrieben und sicherte die Versorgung der Nonnen. Nähere Angaben aus dieser Zeit sind nicht überliefert. Nach Aufhebung der Klöster infolge der Reformation gehört die Mühle ab 1599 dem Gräflich Schwarzburgischen Rentmeister Niclas Zimmermann. Dieser hat die schwere Arbeit in der Mühle allerdings nicht selbst verrichtet; und so finden wir als ersten Bachmüller 1625 Andreas Kratze verzeichnet. Drei Jahre später hat der Sohn von Niclas Zimmermann, Zacharias, die Mühle übernommen. Damals hat sie zwei oberschlächtige Wasserräder, d.h. das Wasser läuft über ein hölzernes Gerinne, fällt von oben auf die Schaufeln des Rades und treibt so das Mahlwerk an. Diese Art Wasserrad ist typisch für kleine, schmale Wasserläufe, und auch in der Kyffhäusergegend weit verbreitet.

Frankenhäuser Mühlen

1648 heißt der Bachmüller Jacob Ulrich. Er stammte aus (Bad) Tennstedt und wir werden ihm später in der Marktmühle wieder begegnen.

Im September 1689 bricht im Schloß zu Frankenhausen ein Brand aus, der sich schnell ausbreitet, bis zur Bachmühle vordringt und diese in Schutt und Asche legt. Wahrscheinlich ist sie gleich wieder aufgebaut worden, denn bei einer Besichtigung im Jahre 1704 ist sie intakt, abgesehen von einigen Mängeln am Mühlgraben und am Gerinne. Zu diesem Zeitpunkt gehört die Mühle dem Bürgermeister Zacharias Zimmermann (einem Nachfahren des ersten Zacharias), und anschließend seinem Sohn Justus Heinrich. Dieser bestätigt, dass sich die Bachmühle seit 117 Jahren im Besitz seiner Familie befindet. Allerdings sei sie in einem schlechten Zustand, erhält oft nur wenig Wasser, und so ist auch von den zwei vorhandenen Mahlgängen nur einer in Gebrauch. Zu diesen natürlichen Beschwernissen kommen noch Kontributionsforderungen seitens des Stadtrates an die Mühlenbesitzer. Beide Parteien streiten sich wegen der Kontributionen 10 Jahre lang, bis schließlich ein Vergleich erreicht wird.

In den Jahren 1716 bis 1722 ist als Müller ein gewisser Barthel Andreas Berger tätig. Anhand seiner Person lassen sich die Verbindungen zwischen verschiedenen Müllerfamilien gut nachvollziehen. Geboren wurde Barthel als ältester Sohn des Untermüllers zu Seega. Nach dem frühen Tod seines Vaters verheiratete sich seine Mutter mit dem Marktmüller zu Frankenhausen, Caspar Gräfe. Vor seiner Zeit als Bachmüller ist Barthel Geselle in der Mühle zu Gorsleben. Als der dortige Müller Künste stirbt, heiratet er 1715 dessen Witwe.

Nur kurze Pachtverträge

Im Verlauf des 18.Jahrhunderts sind noch mehrere Müller in der Bachmühle verzeichnet, denn ihre Pachtverträge belaufen sich meist nur über 3 Jahre. Um 1774 wird Georg Christian Friedrich Vetterlein erster Eigentumsmüller der Bachmühle, womit die Trennung von Besitz der Mühle und Arbeit in der Mühle aufgehoben ist. 1779 beginnt mit der Hochzeit zwischen Maria Elisabeth Vollmann und Johann August Philipp Gille aus Annarode eine Dynastie, unter welcher das Mühlengewerbe in der Bachmühle aufblühen wird. Ihr Sohn, Johann Ernst August Gille, heiratet 1814 zwei Tage vor Heiligabend Wilhelmine Christiane Bloßfeld, eine Tochter des verstorbenen Grabenmüllers Johann Georg Bloßfeld. Dieser Ehe sind nur 7 Jahre beschieden, und nach dem Tod von Johann Ernst August übernimmt sein Bruder Wilhelm Heinrich Andreas die Geschicke der Mühle. Nach 1850 wird kräftig gebaut und modernisiert, und kurz vor dem Jahresende 1856 kann Wilhelm Gille anzeigen lassen:

»Da meine neu eingeritete Walz-Mahlmühle bereits im Gange iſt und derart, da e aen Anforderungen genügend entſprit, ſo verfehle i nit, dem geehrten Publikum dieſelbe hiermit beſtens zu empfehlen.«

Hauseigene Brauerei und Bootsfahrten

Kurz zuvor hatte seine Schwester Friederike Auguste Dorothee Gille den Besitzer der Rosenmühle geheiratet. Dabei musste sie Einzugsgeld an die Stadt Frankenhausen bezahlen, weil die Bachmühle zur eigenständigen Gemeinde Altstadt gehörte. Auch in weiteren Angelegenheiten spielt dieser Umstand eine Rolle. So befindet sich zur damaligen Zeit im Mühlhof außer der Mühle selbst auch eine Brauerei, welche „Broyhan“ – ein süßes und würziges Weißbier herstellt. Es wird von den Frankenhäuser Bürgern gern genossen und auch häufig in die Stadt eingeführt. Zwar erhebt die Stadt darauf eine Biersteuer, doch ist diese nur schwierig einzutreiben, so dass später ein alter Polizeidiener abgestellt wird, um die Sonntagsspaziergänger auf unerlaubte Biereinfuhr zu kontrollieren.

Bereits 1857 unternahm Frankenhausen einen Versuch, die Bachmühle in ihre Stadtgemarkung einzubeziehen. Dagegen wehrte sich der Mühlenbesitzer, aus gutem Grund. Als frühere Klostermühle ist das Unternehmen abgabe- und dienstfrei gegenüber der Gemeinde Altstadt. So dauert es noch bis 1890, bevor die Altstadt samt der Bachmühle mit Frankenhausen eine verwaltungsmäßige Einheit bildet.

Außer dem guten Bier zieht auch eine auf dem Grundstück gelegene Eisbahn in den Wintermonaten die Besucher zur Mühle. Und im Sommer kann man auf den Mühlteichen Boot fahren. Kurzum, die Mühle war stets einen Ausflug wert.

1906 beginnt das Ende der Mühlengeschichte. Familie Gille verkauft das Anwesen an Alfred Schütze, welcher die Brauerei schließt und eine Schankwirtschaft etabliert. Außerdem lässt er anstelle des alten Wasserrades eine Francis-Turbine einbauen, welche aber nur noch einen Schrotgang sowie eine Wasserpumpe und einen elektrischen Dynamo antreibt.

Im Jahre 1920 kauft der Zigarrenfabrikant Emil Krey die Mühle, nutzt jedoch nur die Landwirtschaft weiter, die früher zu fast jeder Mühle gehörte. Schon wenige Jahre später verkauft er sie wieder an den Landwirt Ludwig Börner. Der betreibt sein Unternehmen bis 1945 und verlässt nach Kriegsende Frankenhausen in Richtung Westen. Somit ist das Schicksal der Bachmühle besiegelt.

In der DDR gehört das Gelände zur Landwirtschaftsschule, und nach 1989 kommt das Landwirtschaftsamt in das Gebäude. Außer dem „Bachmühlenweg“ erinnert heute nichts mehr an die einstige Klostermühle.

Autor: Steffen Rödiger

Quellennachweis

Unter Verwendung von:

Akten aus dem Stadtarchiv Bad Frankenhausen,
Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt,
Artikeln des Frankenhäuser Intelligenzblattes,
Eintragungen der Kirchenbücher sowie
persönlichen Angaben von Gertrud und Heinz Haake