Lage des Bergschlösschens nebst anderer Wirtshäuser

Es beginnt 1890 seinen Betrieb mit dem Ausschank von Speis und Trank. Es wird deswegen wahrscheinlich auch angelegt. Es bietet einen atemberaubenden Blick in Richtung Tal, sowohl ins Riedgebiet nach Seehausen, als auch über Frankenhausen hinweg bis zum gegenüberliegenden Südhang des Kyffhäusergebirges.

Auf der anderen Seite gegenüber haben wir das »Waldschlösschen«, dieser Name ist also schon vergeben. Man entscheidet sich also für einen neuen Namen: Das »Bergschlösschen«. Namensvielfalt muss auch gestaltet werden. Jedoch ein kleiner aber schwerwiegender Wermutstropfen wird dem Schicksal des Bergschlösschens anhängen. Eine Gegebenheit oder besser ein gewisser Mangel wird sich auch weiterhin niederschlagen: Es wird keinen Wasseranschluss haben.

Diesen Umstand sollte man nicht einfach so abtun. Vor allem für heutige Verhältnisse. Wasser? Papelapapp…Hahn auf, Wasser kommt! Aber nicht beim Bergschlösschen.

Es ist unglaublich schwierig, man muss sich das so vorstellen: Alles, was dort oben an Wasser benötigt wird, muss hochgeschafft werden. Wir hatten es vorab bereits kurz erwähnt, wie auch beim »Kyffhäuser-Burghof«, dass die Leute am Anfang auch kein Wasser hatten und es insgesamt jedes Jahr viele tausende von Reichsmark kostete, von Frankenhausen oder Kelbra das Wasser hochzubringen, was man folglich brauchte, bevor überhaupt ein Brunnen gebohrt wurde. Und damit ist nicht der Burgbrunnen gemeint, sondern ein Brunnen in der Nähe des »Kyffhäuser-Burghof«.

Und hier ist es so, man hatte überhaupt kein Wasser und hat auch nie welches bekommen.

Brauereien oder Fuhrwerke fuhren ihre »Ladung« lediglich bis zum »Bilzingsleber Weg«, knapp 300 m südlich der Bahngleise. Zum »Bergschlösschen« sind es von hier aus aber immerhin noch fast 950 m Wegstrecke. Dazu kommen nochmal ca. 60 Höhenmeter den Berg hinauf zu bewältigen. Bedeutet also für die damaligen Betreiber: in die Hände gespuckt und per Handwagen das Bier, die Limonade und - nicht zu vergessen - das Wasser (was immerhin einige Fässer waren) den Berg hinauf. Und das auch mehrmals am Tag. Die Euphorie bei dieser Strapaze würde heutzutage gewiss weniger als dürftig ausfallen…

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(2) Ansichtskarte um 1910,
Bild: Regionalmuseum
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(3) Terrasse des Bergschlösschens, Blick nach Frankenhausen, um 1950,
Bild: Regionalmuseum

Das ist ein Blick aus in der Weidengasse auf diese Hanglage (Bild 4). Links außerhalb befindet sich die Kyffhäuserkaserne, und hier oben rot eingekreist befindet sich der Bereich, an dem das Bergschlösschen gelegen ist. D.h. also in diese Richtung muss man schauen, damit man das »Bergschlösschen« lokalisieren kann, weil heute bekanntermaßen alles zu- und eingewachsen ist.

Der Umfang des ganzen Areals ist relativ groß, immerhin 1 ha Lehden- und Ackerland, d.h. also Brache. Die Hofställe allein umfassen immerhin fast 300 qm. Also ein recht ordentlich großes Areal. Deshalb lässt sich es auch ganz gut anbringen. Darüberhinaus säumen eine ganze Reihe von Obstbaumen das Gelände, also es wäre heute auch was für Jürgen Pusch, siehe Streuobstwiesen-Thema.

Hier die Schankwirtschaft innen (bzw. die Veranda) zu sehen (Bild 5,7,8). Relativ einfach und spartanisch, und doch lässt es sich genießen. Allerdings wird nebenher auch erweitert. Man erbaut eine kleine Halle im Vorfeld an. Auch hier wird ausgebaut, folglich eine überdachte Terrasse bzw. Veranda.

Was hierbei relativ selten ist, das ist die Postkarte selbst (Bild 6). Diese ist einmalig, weil der Pächter, der hier genannt ist, ein Herr Steinig aus Frankenhausen, Weißgerber, nur rund ein Jahr lang der Pächter war. Dieser hat dennoch eine Postkarte aufgelegt. Danach gab es das nicht mehr. Nur mal so als Hinweis für alle Postkartensammler.

Wer kam dorthin? Frankenhäuser und Seehäuser Familien hauptsächlich. Ganz klar: Ausflugslokal. Die Kurgäste kehrten natürlich auch ein, oder auch die Studierenden des Technikums. Diese folglich umso mehr, als 1927/28 der Segelflugplatz errichtet wird.

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(5) Ausflug der ganzen Familie, um 1930
Bild: Regionalmuseum
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(6) Blick von Nord, um 1920
Bild: Regionalmuseum
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(7) Gemütliche Herrenrunde, um 1930
Bild: Regionalmuseum
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(8) Hier macht man gerne »Pause«, um 1930
Bild: Regionalmuseum

Das ist also eine Technikumsangelegenheit. Wer sich erinnert, der Flugplatz wurde betrieben, bevor die Kaserne der NVA aufgebaut wurde. Flugwesen beginnt mit dem Technikum. Auch wenn immerzu die Flieger behaupten: Wir haben in den 1950er Jahren neu angefangen... So können sie erzählen, was sie wollen: die Geschichte ist älter. Ohne Technikum würden sie heute noch auf der Erde »rumgeikeln«.

Die hygienischen Verhältnisse waren teilweise nicht immer optimal. Das lag einfach daran, ich habe es ja schon weiter oben erwähnt, Wasser war absolute Mangelware. Dieser Zustand war immer Bestandteil häufiger Kritik, auch und vor allem seitens der Behörden. Dies sollte sich auch nicht so einfach ändern. Es blieb weiterhin ein unangenehmes Problem.

Wir haben einige Pächterfamilien u.a. Familie Albert Künne. Wir sehen den von der Terrasse wunderschönen Blick ins Tal. Man sieht ebenfalls das Areal gegenüber am Südhang des Kyffhäusergebirges, rund um den Schlachtberg, ist alles noch relativ kahl.

Nun, wenn immer gesagt wird: Oh Gott, der ganze Einschlag, Holzeinschlag... Der Holzeinschlag, der getätigt wurde, wird in dem Bereich vorgenommen, der nur wegen des Fürsten angelegt wurde. Als nämlich die Monarchie zu Ende war, musste der Fürst entschädigt werden. Just da beginnt erst die Aufforstung in diesen ganzen Gebieten. Bis dahin also war vieles kahl und in der Folge wurde Baum für Baum gepflanzt, weil, durch den Verkauf des Holzes, sollte das erwirtschaftet werden, was zur Entschädigung des Fürsten dienen sollte.

Und deswegen haben wir tatsächlich zu vielen Zeiten noch diese kahlen Stellen vorherrschend, die ganz einfach daher rühren, weil bis zum Beginn des 19. Jh. kein Baum in Frankenhausen und Umgebung älter als 12 Jahre war, oder werden konnte, denn dann wurde er geschlagen, für die Saline - als Brennholz. Deswegen also diese großen Freiflächen.

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(11) Terrasse 1960er Jahre
Bild: Regionalmuseum
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(12) Terrasse und Haus, um 1960
Bild: Regionalmuseum
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(13) In der Gaststube, um 1960
Bild: Regionalmuseum
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(14) Bergschlösschen, Innenraum um 1960
Bild: Regionalmuseum

Man muss aber auch mit anmerken, ab dem 2. WK bis in die 1950er Jahre hinein blieb das »Bergschlösschen« dann auch einige Zeit lang  geschlossen. Bis schließlich 1957 Familie Zwanziger, bzw. Margaret Zwanziger, das Anwesen erwirbt und immerhin 1958 die Wiedereröffnung bewältigt. Sodass man infolgedessen dann Platz für immerhin insgesamt 150 Gäste hat. Letztendlich kriegen sie auch ihren Stromanschluss. Es wird ein Weihnachtsgeschenk im Jahr 1959. Das war damals zweifellos eine große Freude. Aber Margarete Zwanziger schreibt später, als es darum ging: Warum kann die Gastronomie nicht weiter betrieben werden?

Es falle ihr schwer, den Betrieb aufrecht zu erhalten, nachdem ihr Mann sich nicht mehr betätigen kann. Dieser hatte bereits einen Herzanfall, sie hatte auch schon einen Herzkollaps, weil sie es letztendlich war, die das Waser und alle Getränke, ab einer bestimmten Ebene – wie oben bereits beschrieben - mit dem Handwagen hinaufschaffen musste.

Wenn man nunmehr nicht so viele Mitarbeiter hat, ist das natürlich für Eigenbeschäftigung - und dazu noch als Frau! - eine ganze Menge harter Arbeit. Irgendwann ist man mit den Kräften am Ende und somit ist Schluss. Folglich musste Sie inserieren. Das tat sie u.a. im Unstrut-Echo, als da steht, dass sie das Bewirtschaften nicht mehr aufbringen kann.

Darüber waren die Leute natürlich traurig. Wenn sie vom Flugplatz kamen und geschwind noch mal eben einkehren wollten, bevor es nach Hause ging, kriegten sie dann kein Würstchen, keine Brause und kein Bier.

Die endgültige Schließung kam aber nicht infolgedessen zustande, sondern einfach, weil in der Umgebung sich etwas veränderte. Dort, wo sich der alte Flugplatz über den Kamm der Hainleite erstreckt und unterhalb davon entsteht durch die NVA ab 1968 eine neue Kaserne und deren anschließendes Sperrgebiet. Und mit dem Entstehen dieses Sperrbereiches wird dann auch langsam der Gastronomiebetrieb endgültig aufgegeben und fällt schließlich heraus.

So sah es dann in der jüngeren Vergangenheit aus. Es wächst halt alles zu. Die Natur erobert sich ihr Revier zurück. Ein paar Gebäudereste sind noch zu sehen. Der Blick gerade noch so durch die hochgewachsenen Bäume und Büsche hindurch. Heute wird es noch weiter zu gewachsen sein, denn Peter hat das Bild schon vor einer ganzen Weile gemacht.

Und mit diesem – erneut etwas wehmütigen - Blick ins Tal wollen wir diesen nun schon 5. Teil der Reihe Gaststätten und Ausflugslokale in Frankenhausens Umgebeung für heute beenden und sind schon gespannt auf den 6. Teil, nächstes Jahr.

Peter Kawe, Dr. Ulrich Hahnemann

Bearbeitung für die Webpräsentation: J. Schreiber