Christianisierung

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Amalaberga
Schwester des Herrschers der Ostgoten, Theoderichs des Großen
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Schriftliche Überlieferungen für eine zeitlich genaue Bestimmung missionarischer Bemühungen sind für die Kyffhäuserregion nicht vorhanden. Bis zu dessen Untergang zwischen 531 und 534 gehörte die Region zum Königreich der Thüringer. Eine der Königinnen, Amalaberga († nach 540), stammte aus dem Stamm der Ostgoten, die dem arianischen Christentum anhingen. Daraus zu schlussfolgern, dass ein Teil der Oberschicht der Thüringer bereits Christen (Arianer oder Katholiken) gewesen sein könnten, bleibt offen.

Nach der Niederlage der Thüringer gegen die verbündeten Franken und Sachsen wurde die Kyffhäuserregion in das merowingische Frankenreich eingegliedert. Nördlich von Kyffhäusergebirge und Goldener Aue verlief in Richtung Harz die Grenze zu den Sachsen. Da die Sachsen bis zu ihrer Unterwerfung durch Karl den Großen (747/748 – 814) Heiden blieben, bildete die Grenze zwischen dem Frankenreich und den Sachsen zugleich auch eine Religionsgrenze.

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Karl der Große (links) und sein erster Sohn Pippin der Bucklige, darunter ein Schreiber
Miniatur aus dem 10. Jahrhundert, Kopie einer verlorenen für Graf Eberhard von Friaul hergestellten Miniatur.
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Heiliger Willibrord. Buchmalerei aus dem Umfeld des Meisters des Registrum Gregorii (teilweise auch dem Meister zugeschrieben),
Trier um 1000 (Paris, Bibliothèque Nationale, Lat. 10510)

Mit der Landessicherung und dem Landesausbau der katholischen Franken ist wohl auch eine Christianisierung der unterworfenen Bevölkerung einhergegangen. Inwieweit das Gebiet um das Kyffhäusergebirge von der angelsächsischen Mission der Bischöfe Willibrord (657/658 – 739) und Bonifatius (672/675 – 754) im beginnenden 8. Jahrhundert ergriffen wurde, ist nicht bekannt geworden. Die Mission traf bereits auf eine zumindest in Teilen mit dem Christentum in Kontakt gekommene Bevölkerung, wodurch eine durchgehende Missionierung erleichtert wurde. Auf Bonifatius geht 742 die Gründung des Bistums Erfurt zurück, worin sich auch der Aufbau einer Kirchenorganisation abzeichnet.

Im Jahre 755 wurde das Bistum nach Mainz verlagert, dass 780/782 zum Erzbistum erhoben wurde. Bis ins 11. Jahrhundert baute das Erzbistum Mainz eine Kirchenorganisation auf, wobei die meisten Orte bzw. Pfarreien im Kyffhäuserkreis westlich der Unstrut zum Archidiakonat Jechaburg bei Sondershausen und die meisten Orte östlich des kleinen Flusses zum Archidiakonat St. Marien in Erfurt gehörten. Diese Strukturen blieben bis zur Neuorganisation der Pfarreien im Gefolge der endgültigen Durchsetzung der Reformation erhalten.

Im 8. und 9. Jahrhundert, unter den karolingischen Herrschern, gelangten die in Hessen gelegenen Reichsklöster Fulda (gegründet 744) und Hersfeld (gegründet 769/775) zu ansehnlichem Besitz in der Region. Auflistungen ihrer Besitzungen, Schenkungen, Gütererwerb und Gütertausch sind für zahlreiche Orte der Kyffhäuserregion Zeugnisse einer ersten schriftlichen Erwähnung. Mit dem Besitz in den entsprechenden Orten verbinden sich Kirchengründungen, deren Entstehung sich jedoch zeitlich nicht immer bestimmen lässt. Auf Gründungen der beiden Klöster verweisen die Bonifatius- und Wigbert-Patrozinien, z. B. in Ichstedt und Göllingen.