Gründungsphase

Im Jahre 1763 kaufte Johann August Cöler (geb. 18. Juni 1738) - Buchdrucker und Buchhändler aus Nordhausen, (sein Vater, Johann August Cöler, 1711 - 1782, Rathsdrucker in Nordhausen) - eine seit vielen Jahren bestehende Druckerei („Keitelsche Druckerei“) in Frankenhausen am Kyffhäuser. Bereits die Vorbesitzer hatten seitens der Landesregierung des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt ein Privileg erhalten, dass ihnen das alleinige Recht einräumte, Bücher zu drucken, zu binden und zu vertreiben. Am 9. November 1763 gewährte Fürst Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt J. A. Cöler eine gleichartige Privilegierung seiner Druckerei. In der Familie Cöler galt dieses Datum daher als Gründungstag des Familienbetriebes.

Der Schutz vor unliebsamer Konkurrenz, den das Privileg eigentlich bewirken sollte, war jedoch trügerisch. Zwar gehörten die Frankenhausen umgebenden Dörfer wie Esperstedt, Ichstedt, Rottleben oder Seehausen zum Fürstentum, doch schon dahinter erstreckten sich die Territorien anderer Landesherren im so sehr zersplitterten Thüringen des 18. Jahrhunderts. Ohne Rücksichtnahme auf das J. A. Cöler erteilte Privileg, kamen so genannte Hausierer und „fliegende“ Händler über die schwarzburgische Grenze und boten in Massen billige Bücher an. Seine Beschwerden erkannte die Landesregierung ohne Einschränkung an, jedoch helfen vor der Beeinträchtigung der „ausländischen“ Konkurrenz vermochte sie dem Buchdrucker Cöler kaum. Für eine ausreichende Kontrolle der Grenzen stand den fürstlich schwarzburg-rudolstädtischen Landesbehörden nur wenig Personal zur Verfügung. Daher suchte J. A. Cöler Abhilfe in der Erweiterung seines Druckereisortiments.

Cölers Muster überzeugten die Schwarzburger

Im Verlauf des Jahres 1764 versuchte er sich in der Gestaltung und im Druck eines Intelligenzblattes. Als Vorbild dienten ihm die zu diesem Zeitpunkt in anderen thüringischen Kleinstaaten verlegten Intelligenzblätter. Seine der schwarzburg-rudolstädtischen Landesregierung in der Hauptresidenz Rudolstadt vorgelegten Musterexemplare fanden schließlich deren Aufmerksamkeit. Am 30. November 1764 informierten die Regierungsbehörden den Frankenhäuser Stadtrat darüber, dass Johann August Cöler die Erlaubnis des Fürsten erhalten habe, in Frankenhausen mit der Herausgabe eines Intelligenzblattes beginnen zu können. Um das Vorhaben zu unterstützen, forderten die Regierungsbehörden sowohl den Stadtrat, die Dorfvorstände als auch die Pfarreien auf, alle amtlichen Bekanntmachungen in diesem neuen Intelligenzblatt zu veröffentlichen. Deshalb wurde die Ausgabe des ersten Exemplars auf den Beginn des Jahres 1765 festgelegt. Am 2. Januar 1765 erschien dann die Erstausgabe. Der Name lautete „Wöchentliches Frankenhäusisches Intelligenz-Blatt“.

Entgegen der Erwartungen sowohl der Landesregierung als auch des Herausgebers und Verlegers hielten sich die offiziellen Stellen wie Frankenhausens Stadtrat mit Anzeigen und Bekanntmachungen zurück. Erst nach mehrmaligen Rügen und letztlich der Androhung von Geldstrafen wurden ab Ende des Jahres 1765 mehr und mehr städtische Angelegenheiten veröffentlicht. Die Befürchtungen von Stadt- und Gemeinderäten, die fürstliche Landesregierung würde ihre Arbeit besser kontrollieren können, sollte sich nicht allein bewahrheiten, sondern war vom Fürsten auch gewollt. Für rund 145 Jahre wurde das Frankenhäuser Intelligenz-Blatt zu einem wichtigen, zeitweilig auch zum einzigen und bedeutendsten Pressemedium in Stadt und Umland.

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Fürst Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt
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Die Pressegattung „Intelligenz-Blatt“

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Théophraste Renaudot
1586 - 1653
Bild: gemeinfrei

Ist Lesen können auch eine grundlegende Voraussetzung für das „Studium“ einer Zeitung, lediglich an die Intelligenz der jeweiligen Zeit richtete sich ein Intelligenzblatt keineswegs. Die im deutschsprachigen Raum verwendeten Bezeichnungen „Intelligenz-Blatt“ und „Intelligenz-Comptoir“ gehen vermutlich auf das „office of intelligence“ in London zurück, für welches ein gewisser John Innys 1637 ein Privileg von Karl I. (1600 - 1649), König von England, Schottland und Irland, erhielt. Intelligence steht hier für Nachricht. Im Deutschen bezeichnete es ein zumeist amtliches Nachrichten- bzw. Mitteilungsblatt.

Seine Ursprünge liegen in Frankreich. Die Idee, den Austausch von Informationen zwischen den Menschen zu erleichtern, wird dem Franzosen Pierre Eyquem, Seigneur de Montaigne (1495 - 1568), zugeschrieben. Doch erst der Pariser Arzt Theophraste Renaudot (1586 - 1653) eröffnete 1630 ein Annoncenbüro, dass im Jahr darauf alle Angebote und Nachfragen periodisch zu veröffentlichen begann.

Mit dem „Wöchentlichen Franckfurter Frag- und Anzeigungs-Nachrichten“ in Frankfurt/Main wurde 1722 das erste Intelligenzblatt im deutschen Sprachraum herausgegeben. König Friedrich Wilhelm I. von Preußen (1688 - 1740) erließ 1727 sogar eine Verordnung, die die Gründung von Intelligenzblättern im gesamten Königreich vorsah. Damit stellte er sie gleichsam unter staatliche Aufsicht und machte sie zu einem „Informations- und Ordnungsmittel kameralistischer Wirtschaftspolitik“.

Vollkommen anders die Situation in Thüringen.
Die Vielzahl von selbständigen Kleinstaaten und Städten, in die Thüringen im 18. Jahrhundert zerfiel, war der Gründung von Intelligenzblättern förderlich. Intelligenzblätter mit rein lokalem als auch regionalem Bezug wurden in Weimar (1734/1755), Erfurt (1746), Gotha (1751), Jena (1752) oder Mühlhausen (1764) begründet und herausgegeben. Im Gegensatz zu Preußen waren sie kein Organ der jeweiligen Landesregierung oder des Rates einer Reichsstadt. Einige von ihnen vermochten den Anspruch zu erheben, „Anzeigen- und Amtsblatt, politisches Nachrichtenorgan, moralische Wochenschrift“ und illustres Unterhaltungsblatt in einem zu sein. Nicht alle, aber fast alle thüringischen Intelligenzblätter waren private Schöpfungen. Natürlich wurden ebenso amtliche Bekanntmachungen von Fürst und Landesregierung publiziert. Jedoch waren öffentliche Stellen, Beamte und Behörden – wie im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt – nicht grundsätzlich verpflichtet, das für sie jeweils in Frage kommende Intelligenzblatt zu abonnieren. Im Gegenteil, sie mussten teils aufgefordert und ermahnt werden, zumindest in den Behörden den regelmäßigen Bezug zu gewährleisten, um selbst gut informiert zu sein.

Ihre Hochzeit hatten die Intelligenzblätter in Thüringen in der Zweiten Hälfte des 18. Jh. und der Ersten Hälfte des 19. Jh. Der Name Intelligenzblatt war bis um 1930 in Gebrauch. In Frankenhausen verschwand er erst mit der Aufgabe des Verlages inmitten des Ersten Weltkrieges.

In der heutigen Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte haben die Intelligenzblätter einen hohen Stellenwert als Quelle und Einblick in das öffentliche wie private gesellschaftliche und kulturelle Leben der Menschen unterschiedlicher Schichten. Diese Erkenntnis ist allerdings erst jüngeren Datums und hat sich nach 1990 Bahn gebrochen.

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Friedrich Wilhelm I. von Preußen (1688-1740)
Bild: gemeinfrei

Werdegang bis zu seiner Einstellung

Wie es sein Name vermuten lässt, erschien das Intelligenzblatt zunächst ein Mal in der Woche. Erst nach Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es zwei Mal wöchentlich herausgegeben, nämlich am Mittwoch und am Samstag. Betrug die Auflage im 18. Jh. wenige hundert Exemplare, erreichte es 1882 mit rund 1.000 Abonnenten seinen Höchststand. Bis zu 7 Exemplare waren gegen eine geringe Vergütung an die Landesregierung in der Residenz Rudolstadt zu übersenden. Mindestens ein Exemplar pro Jahrgang wurde archiviert. Sie befinden sich heute im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt, Schloss Heidecksburg. Die Landesregierung behielt sich vor, das ganze Fürstentum betreffende Bekanntmachungen kostenfrei veröffentlichen zu können.

Mit Beginn des Jahres 1837 erschien das Intelligenzblatt unter dem Namen „Frankenhäuser wöchentliches Intelligenz-Blatt“. Wiederholte Versuche eine zweite Ausgabe pro Woche zu realisieren, führte zum Weglassen des Wortes „wöchentliches“. Die zusätzliche Ausgabe wurde jedoch in der Regel als Beilage bezeichnet. Erst ab dem Erscheinen der „Frankenhäuser Zeitung“ 1882 trat neben die Mittwochausgabe eine Samstagsausgabe.

Die inhaltliche Gestaltung des Intelligenzblattes blieb fast über den gesamten Zeitraum seiner Existenz gleich. Auf der Titelseite standen amtliche Bekanntmachungen der Landesbehörden an erster Stelle. Ihnen folgten kommunale Bekanntmachungen und private Kleinanzeigen, oftmals „wild“ durcheinander. Hieran schlossen sich kirchliche Mitteilungen über Getraute, Geborene und Verstorbene an. Nachrichten mit dem Anspruch der Information, Unterhaltung oder Bildung waren bis in die erste Hälfte des 19. Jh. recht häufig, nahmen dann jedoch recht schnell ab. Ergänzt wurde diese Rubrik durch heimatgeschichtliche Beiträge, die teils einen wissenschaftlichen Anspruch erhoben.

Seit etwa 1850 mehrten sich die Klagen offizieller Stellen als auch von Abonnenten über die sinkende Qualität des Papiers und des Nachrichten- und Unterhaltungswertes. Mit Beginn der Herausgabe der „Frankenhäuser Zeitung“ ab 1882 sank die Auflage beständig. Dem Konkurrenzdruck war das Intelligenzblatt auf Dauer nicht gewachsen. Hinzu kam, dass sich die fürstlich schwarzburg-rudolstädtische Landesregierung entschloss, den Vertrag über die Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen zum 1. Juli 1897 zu kündigen. Familie Cöler, die in vierter Generation das „Frankenhäusische Intelligenzblatt“ herausgab, vermochte die Verlegung nur noch bis zum Jahre 1909 in gewohnter Weise aufrecht zu erhalten. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Druckbetrieb eingestellt und die Druckerei aufgegeben.

Das Wohnhaus und der letzte Sitz des Druckbetriebes Kyffhäuserstraße/Ecke Wallgraben ist noch vorhanden. Erkennbar an die Druckerei erinnert jedoch nichts mehr.

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Letzter Sitz des Druckbetriebes in der Kyffhäuserstraße
Aufnahme 2015