Wann der erste Drucker oder der erste Buchbinder in Frankenhausen seinem Gewerbe nachging, ist nach wie vor eine nicht zu beantwortende Frage. Eine einmalige Erwähnung im 16. Jahrhundert ist hierfür noch kein Beleg. Im 17. Jh. häufen sich dann die namentlichen Nennungen von Buchdruckern und Buchbindern, ohne das jedoch schon von einer Kontinuität in der Betreibung des Handwerkes oder gar einer Werkstatt gesprochen werden kann.

Erst ab dem Jahr 1728 existierte eine Druckerei, die durch Weiterverkauf 1763 in den Besitz von Johann August Cöler, dem Gründer des Frankenhäuser Intelligenzblatt, überging. Das ihm im gleichen Jahr von der fürstlichen Landesherrschaft verliehene Privileg sollte ihn zwar vor der Konkurrenz anderer Drucker, Buchbinder und Buchhändler im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt schützen, doch die Landesherrschaft machte auch Ausnahmen. Im Jahre 1787 wurde dem Frankenhäuser Kantor Johann Wilhelm Cunis gegen den ausdrücklichen Einspruch von J. A. Cöler der Handel mit Büchern, jedoch nicht ihr Druck erlaubt.

 
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ehemalige Buchhandlung Curt Werneburg,
heute Frisörgeschäft Helmich,
Aufnahme 2015

Ab 1829 häuften sich dann die Anträge auf Erteilung einer Konzession zum Handel mit Büchern und Musikalien. Einige der Buchhändler besaßen entweder außerhalb des Fürstentums eine Druckerei oder gaben Aufträge zum Druck von Büchern und Schriften an auswärtige Druckereien. Zu den erfolgreichen, bis in die zweite Hälfte des 20. Jh. bestehenden Buchhandlungen, gehörte die 1846 von Curt Werneburg gegründete (Kräme 15, heute Friseursalon Helmich). Neben Büchern machte sich die Fa. „Curt Werneburg“ mit der Herausgabe von Wanderführern und –karten, Postkarten und Heimatliteratur einen Namen. Zu einer spürbaren Konkurrenz für die Familie Cöler wurde die von C. Walter um 1845 begründete Steindruckerei Ecke Quergasse/Ratstraße (später Bäckerei Girodt). Zum bekanntesten Druck von C. Walter gehört der überarbeitete Nachdruck „Die Stadt Frankenhausen“ von Matthäus Merian aus dem Jahre 1650.

Obwohl im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt 1864 die Gewerbefreiheit eingeführt wurde, gründeten sich neue Druckereien und Verlage erst gegen Ende des 19. Jh. und zu Beginn des 20. Jh. Unter den Verlagsgründern befand sich auch manch historisch interessierter und schreibgewandter Inhaber. Zu ihnen gehörte die 1895 und 1896 begründeten Buchdruckereien von Rudolf und Felix Schröder. Auf sie gehen zahlreiche Hefte und Büchlein zur Stadt- und Heimatgeschichte zurück.

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Der überarbeitete Nachdruck von C. Walter „Die Stadt Frankenhausen“ von Matthäus Merian aus dem Jahre 1650

Von den zahlreichen Gründungen im Ersten Drittel des 20. Jh. vermag jedoch nur die 1932 gegründete „Frankenhäuser Buchdruckerei und Kartonagenfabrik“ (kurz Buka genannt) eine gewisse Kontinuität bis in die Gegenwart aufweisen. Auf sie führt die heutige Firma „Druck Schnell Service“ in der Bornstraße ihre Ursprünge zurück. Zu den kleinen Firmen, die sich ebenso der Herausgabe von Heimatliteratur verschrieben haben, zählt gegenwärtig noch der „Rotbart-Verlag“.

Das Aufkommen der Fotografie und die Etablierung von Fotostudios trugen in erheblichem Maße dazu bei, dass die Herausgabe von Post- und Ansichtskarten als auch Fotos für die Illustrierung von Büchern und der Zeitungen sprunghaft zunahm. Zwei der damals gegründeten Fotoateliers bestehen noch heute. Zum einen das um 1873 von Hoffotograf August Linde aus Gotha eröffnete und 1900 in den Besitz der Familie Bark übergegangene Atelier „Foto Bark“ am Anger, und zum anderen das 1899 von Max Heyn am Schützengraben begründete, 1939 in den Besitz von Familie Görtz übergegangene und heute in der Nordhäuser Straße befindliche Atelier „Foto Görtz“.

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Gebäude der Fa. Druck-Schnell-Service in der Bornstraße
Aufnahme 2015