Gründung, Verlagssitz und Inhaber

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Titelleiste der „Frankenhäuser Zeitung“

Die „Frankenhäuser Zeitung“ wurde im Jahre 1882 durch Otto Jügelt gegründet. Entsprechend ihrem Hauptverbreitungsgebiet trug sie den Untertitel „Organ für die Unterherrschaft des Fürstenthums Schwarzburg-Rudolstadt“. Im Gegensatz zum Frankenhäuser Intelligenzblatt erschien die Zeitung von Beginn an drei Mal wöchentlich: Dienstag, Donnerstag und Samstag. O. Jügelt hatte die Herausgabe der Zeitung unter das Motto „Mit Vernunft für Freiheit, Recht und Volkeswohlfahrt“ gestellt, dass auf der Titelseite jeder Ausgabe abgedruckt wurde. Neben der „Frankenhäuser Zeitung“ gab Otto Jügelt das „Frankenhäuser Bade-Journal“ heraus, das sich insbesondere an die Kur- und Feriengäste der Stadt richtete. Ihren Sitz hatten Druckerei und Verlag im Haus in der Klosterstraße 5, gegenüber dem heutigen „Kyffhäuser-Gymnasium“.

Mit dem 1. April 1884 ging die Zeitung in den Besitz von Emil Krebs Senior (1856 - 1932) über. In Zörbig bei Halle/Saale geboren, hatte er hier das Handwerk des Buchdruckers gelernt und anschließend in einer Druckerei in Bernburg gearbeitet. Unter ihm nahm die „Frankenhäuser Zeitung“ einen rasanten Aufstieg und verdrängte schließlich das Frankenhäuser Intelligenzblatt. In Nachfolge der Familie Cöler wurde mit E. Krebs am 1. Mai 1897 ein Vertrag geschlossen, wonach die „Frankenhäuser Zeitung“ ausschließlich zur Veröffentlichung amtlicher Mitteilungen ausersehen wurde. Der Vertrag trat zum 1. Juli des Jahres in Kraft. Fortan lautete ihr Name „Frankenhäuser Zeitung – Amtliches Nachrichtenblatt für die Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt“. Auch nach Ende der Monarchie 1918 und dem Aufgehen der „Unterherrschaft Frankenhausen“ im 1922 gebildeten Kreis Sondershausen (Sondershausen-Frankenhausen) wurde lediglich das Wort „Fürstentum“ aus dem Namen gestrichen.

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Gebäude der „Frankenhäuser Zeitung“ in der Klosterstraße, um 1930
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Gebäude der „Frankenhäuser Zeitung“ 2015,
Die Lücke Links war ehemals Café Schmelzer („Café Schlaf“)

Den Verlagsstandort behielt die „Frankenhäuser Zeitung“ die gesamte Zeit ihrer Existenz bei. Zum 1. Juli 1899 erfolgte die Anpassung des Zeitungsformats an die großen deutschen Tageszeitungen. Gewählt wurde das so genannte „Berliner Format“ in den Abmessungen 315 x 470 mm. Dieses Format verwendete bereits die in der Hauptresidenz des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt, in Rudolstadt herausgegebene „Rudolstädter Landeszeitung“. Zugleich wurde das Erscheinen von drei Mal wöchentlich auf 6 Ausgaben (Montag bis Samstag) gesteigert. Im Jahre 1921 zog sich E. Krebs sen. aus der Firmenleitung zurück und übergab diese zum 1. Juli des Jahres seinen Söhnen Max und Emil Krebs Junior. Von nun an trugen Druckerei und Verlag den Namen „Emil Krebs Söhne“.

Das Verlagshaus und sein Angebot

Emil Krebs sen. und seine Söhne erweiterten das Angebot von Verlag und Druckerei erheblich. Im Jahre 1895 wurde die seit einem halben Jahrhundert bestehende „Steindruckerei C. Walter“ mit Sitz in der Kräme (später „Bäckerei Girodt“) aufgekauft und der Firma angegliedert. Mit der Übernahme der Steindruckerei und dem Verdrängen des Frankenhäuser Intelligenzblattes baute E. Krebs sen. nach und nach eine gewissen Monopolstellung im Verlagswesen auf. Auch nachdem die neue, republikanische Landesregierung des nunmehrigen Freistaates Schwarzburg-Rudolstadt den Exklusivvertrag über die Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen 1919 nicht mehr verlängerte, erhielt der Verlag einen jährlichen Zuschuss von 600 Mark. Erst nach Gründung des Freistaates Thüringen 1920 wurden die Zahlungen und Begünstigungen reduziert und dann ganz eingestellt.

Das seit Gründung der Zeitung herausgegebene „Bade-Journal“ wurde bedingt durch den drastischen Rückgang in der Zahl der Kurgäste während des Ersten Weltkrieges eingestellt. Auf großes Interesse bei den Abonnenten stieß die Sonntagsbeilage. Zeitweilig erschien sie unter dem Namen „Illustriertes Sonntagsblatt“ oder „Des Landmanns Sonntagsblatt“. Zwar bestand eine rege Nachfrage nach illustrierten Beilagen, doch waren die höheren Druckkosten z. B. für die wöchentliche Beilage „Wort und Bild“ nicht vollständig auf den Bezugspreis umzulegen. Daher konnten diese Beilagen nicht beständig herausgegeben werden.

Dem Verlag der „Frankenhäuser Zeitung“ ist auch die Herausgabe der ersten Publikation des damaligen Heimatmuseums Frankenhausen und heutigen Regionalmuseum Bad Frankenhausen zu danken. In „zwangloser Folge“ erschien nach der Gründung des Museums 1920 die Museumsschrift „Das Fränksche Land und sein Heimatmuseum“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Firma „Emil Krebs Söhne“ die Herausgabe der „Frankenhäuser Zeitung“ und ihrer Beilagen einstellen. Seitens der Sowjetischen Militäradministration in Thüringen wurden seit Juli 1945 wiederholt gestellte Anträge auf Wiederherausgabe negativ beschieden. Einzig die Druckerei konnte ihre Arbeit fortsetzen. Allerdings wurde allein noch „in Familie“ gearbeitet. Gedruckt wurde nun vor allem für private Gelegenheiten, gesellschaftliche Institutionen und kommunale Auftraggeber als auch bis 1949 für die sowjetischen Besatzungstruppen. Für eine dauerhafte Aufrechterhaltung des Familienbetriebes war dies jedoch nicht ausreichend. Am 4. September 1960 wurden Druckerei und Verlag dann offiziell aus dem Gewerberegister gestrichen.

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Ehemalige Steindruckerei C. Walther,
später „Bäckerei Girodt“,
Aufnahme 2015