Die Grabenmühle erhielt ihren Namen wahrscheinlich nach ihrer Lage am Wallgraben. Angetrieben wurde sie einst durch einen Abzweig der Kleinen Wipper, der am sogenannten Ölmüllerloch (siehe Karte) seinen Ausgang nahm. Dieses ist heute überbaut und befindet sich im Bereich, wo die Straße »An der Wipper« in die Kyffhäuserstraße mündet. Der Wasserzulauf führte zuerst an der westlichen Mauer des Botanischen Gartens entlang, bog dann nach Osten ab und führte entlang der Südmauer des Botanischen Gartens bis zur Mühle. Hier fiel das Wasser, wie auch schon bei der Bachmühle, über ein Gerinne auf das oberschlächtige Wasserrad.

Frankenhäuser Mühlen

Ein genaues Entstehungsdatum dieser Mühle konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Sie gehörte ursprünglich dem Stadtrat von Frankenhausen und war eine Walkmühle. In ihr ließen Gerber und Tuchmacher ihre Ware walken, d.h. Leder und Textilien wurden mit Hilfe von Stempeln bearbeitet, um die Fasern zu verdichten.

Aus einer Akte des Jahres 1638 erfahren wir, dass die Witwe Justina Erfurt Pächterin der Mühle ist und sich über die Erhöhung des Pachtzinses seitens des Stadtrates beschwert. Dieser antwortet, dass die Walkmühle der Stadt keinen besonderen Nutzen bringt, sondern dem Brauhaus, der Solkunst (Gradierwerk) und den Stadtmühlen Wasser entzieht, er habe deshalb das Recht und die Macht, entweder den Zins zu erhöhen oder die Mühle ganz abzuschaffen.

1707 wird die Öl- und Walkmühle an Hans Franz Hildebrand vererbpachtet, der zuvor schon einfacher Pächter war. Er zahlt dafür 300 Reichstaler und 50 Gulden Erbzins jährlich.

1743 kommt zu der Walkmühle eine Ölmühle. In ihr wurden hauptsächlich Rübsamen und andere Ölfrüchte geschlagen. Aufgrund der erhöhten Brandgefahr solcher Mühlen wurden diese stets vor den Stadtmauern angelegt oder in einer Alleinlage auf dem Land. Aber auch mit dem Ölschlagen hatten die jeweiligen Müller Mühe, ein Einkommen zu erwirtschaften, was ihre vielköpfigen Familien ernährte. Deshalb bittet 1799 Johann Georg Bloßfeld, neben seiner Ölmühle eine Mahlmühle mit einem Gang anzulegen.

Er war 1771 durch Heirat in den Besitz der Mühle gelangt und fand diese bei seiner Übernahme in einem desolaten Zustand. Bloßfeld begann sogleich mit der Wiederherstellung und Verbesserung, doch führten die Maßnahmen nicht zu einem erhofften größeren Gewinn. Als Gründe gibt er in seinem Bittschreiben an:

  1. da 1775 dem Marktmüer geſtaet wurde eine Ölmühle anzulegen, und 1798 gleies dem Teimüer geſtaet wurde, womit nun 1799 insgeſamt 4 Ölmühlen zwien den Orten Roleben und Frankenhauſen vorhanden nd.
  2. Die Walkmühle hae  eine Zeit lang rentiert, iſt jedo großem Verleiß ausgeſet ebenſo wie geſtiegenen Materialkoſten. Die Gerberinnung von Frankenhauſen erbaute eine eigene Walkmühle bei einer Mahlmühle bei Göllingen, um höheren Walkerlohn zu vermeiden. Sonſt kommen zu ihm nur wenige auswärtige Gerber.
  3. In Frankenhauſen gab es ſeit vielen Jahren nur 2 profeonee Tumaer, die jedo au anderswo walken ließen.

Erst nach 4 Jahren wird seiner Bitte statt gegeben.

Beschwerde beim Sächsischen Kurfürsten

Im Jahre 1810 steckt auch Bloßfelds Witwe in Schwierigkeiten, denn in der Kleinen Wipper herrscht großer Wassermangel. Zudem hat die Pfännerschaft das Ölmüllerloch zugesetzt, um das Wasser allein für ihr Gradierwerk in Anspruch zu nehmen. Der Streit um die Wassernutzung zieht sich über mehr als 2 Jahre hin und Witwe Bloßfeld geht mit ihrer Beschwerde bis vor den sächsischen Kurfürsten, damals gleichzeitig König von Polen. Leider ist aus den vorliegenden Akten nicht der Ausgang der Angelegenheit zu erfahren.

1814 gelangt die Mühle durch Einheiratung an die Familie Gille (Bachmühle), welche sie 1850 zum Verkauf anbietet. Neuer Besitzer wird Gottfried August Julius Günther aus Allstedt. Er lässt die Walk- und Ölmühle entfernen, modernisiert die Mahlmühle und erweitert sie auf drei Mahlgänge. Die weitere Besitzerfolge bis zum Jahr 1880 ist recht undurchsichtig.

Errichtung des ersten Schwimmbades

Ab diesem Jahr ist ein Georg Kämmerer der Herr in der Mühle. Dieser muss ein Mann von Ausstrahlung und Ansehen gewesen sein, denn er wird 1886 als Mitglied des Stadtrates Frankenhausen vereidigt. Außerdem wird er zum Stellvertreter der Müller-Berufsgenossenschaft des Amtsgerichtsbezirkes Frankenhausen berufen. Jedoch sind auch Negativ-Schlagzeilen des Mühlenbesitzers Kämmerer überliefert, als er mit dem Gewehr einen Jagdgenossen bedroht, daraufhin zu einer Strafe von 10 Tagen Gefängnis verurteilt wird und sich herausstellt, dass er bereits wegen eines ähnlichen Deliktes vorbestraft ist.

Eine Wohltat erweist er der Stadt wiederum, als auf seinem Gelände das erste Schwimmbad errichtet wird. Aufgrund der geologischen Verhältnisse können sich die Bürger nur knapp 30 Jahre darin erfreuen. Kämmerer selbst erlebt in diesem Zusammenhang einen schweren Schicksalsschlag, als sein Sohn beim Baden einen Herzschlag erleidet und stirbt. 2 Jahre später stirbt auch Georg Kämmerer und Friedrich Kämmerer (vermutlich ein Bruder) wird neuer Eigentümer.

Im Jahre 1910 beginnt ein weiterer Abschnitt mit dem Eintritt von Kurt Große in die Mühle. Er ist zunächst nur als Müller tätig, wird später Pächter und danach auch Eigentümer. Von 1914-18 musste auch er Kriegsdienst leisten und verpachtete die Mühle während dieser Zeit an den aus Sachsen stammenden Müller und Mühlenbauer Zimmer.

1924 beginnt Kurt Große eine Modernisierung seiner Anlage. Er lässt den Wasserzulauf in eine unterirdische Druckrohrleitung legen und wechselt das alte Wasserrad gegen eine Francis-Turbine mit knapp 18 PS Leistung. Weitere Modernisierungen folgten nach dem 2.Weltkrieg, wobei in der Grabenmühle auch neue Erzeugnisse der Mühlenbauanstalt Landgraf & Sohn (später Fanal) getestet wurden. Die Familie Große führte bis zur Stillegung am 1.4.1960 die Geschäfte.

In den 1970er Jahren wurde die gesamte Hofanlage umgebaut und sämtliche Technik entfernt. Nachfolgend dienten die Gebäude als Ferienlager und Betriebs-Ferienheim, Kindergarten. Nach 1989 eröffnete im hinteren Teil ein Hotelbetrieb mit Restaurant, welcher leider im Dezember 2004 seine Pforten wieder schließen musste. Im eigentlichen Mühlengebäude, dessen westliche Hälfte die Wohnung der Müllerfamilie bildete, befindet sich heute wiederum Wohnraum sowie eine Fahrschule. Seit 2006 beherbergt die Grabenmühle erneut ein Restaurant.

Autor: Steffen Rödiger

Quellennachweis

Unter Verwendung von:

Akten aus dem Stadtarchiv Bad Frankenhausen,
Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt,
Artikeln des Frankenhäuser Intelligenzblattes,
Eintragungen der Kirchenbücher sowie
persönlichen Angaben von Gertrud und Heinz Haake