Wie der Hausmannsturm an die Stadt Bad Frankenhausen kam

Als Hausmannsturm wird seit dem späten 16. Jahrhundert die Oberburg der Stadt Frankenhausen, unweit der Oberkirche (heute bekannt als „Der schiefe Turm“), bezeichnet. Seine Bedeutung als Befestigungsanlage und seine Schutzfunktion für die wirtschaftliche Grundlage der Stadt, die Solequellen, hatte er wohl in der Zeit vor den Bauernkriegsereignissen 1525 verloren. Zumindest wurde der Hausmannsturm als Bestandteil der Stadtbefestigung in dieser Zeit mit keinem Wort erwähnt.

Graf Wilhelm ließ einstige Oberburg instand setzen

Umso mehr trat er ab dem Jahre 1560 in den Blickpunkt stadtgeschichtlicher Ereignisse. In diesem Jahr nahm Graf Wilhelm von Schwarzburg-Frankenhausen (1534 - 1598) seinen ständigen Wohnsitz in Schloss Frankenhausen. Noch bevor er auf Grund einer Erbteilung im Hause Schwarzburg ab 1571 offiziell die „Herrschaft Frankenhausen“ einschließlich der umliegenden Dörfer übernahm, ließ er die in Verfall geratene Oberburg umfangreich instandsetzen. Für seine vielfältigen Bauvorhaben als auch sein Repräsentationsbedürfnis bedurfte er reichlicher Geldmittel.

Um diese zu erhalten, nötigte er der Pfännerschaft, den Inhabern und Betreibern des Salzwerkes, eine in seinem Sinne geänderte Salzordnung auf. Ihnen zum Nachteil suchte er einen größeren Anteil am Gewinn der Salzherstellung aus Sole zu erlangen. Diese, von ihm in einem fast absolutistischen Stil geführte Regierung des kleinen Landes, beschwor in den kommenden Jahren den dann zwischen 1577 und 1579 offen ausgebrochenen Widerstand der Frankenhäuser Bürger als auch reichlich Konfliktstoff mit seinen beiden älteren Brüdern Graf Günther XLI. und Graf Johann Günther herauf.

Tumulte ließ Wilhelm im Keim ersticken

Im Jahr 1576 hatten sich Bürgermeister und Rat gegenüber Graf Wilhelm gegen das Anhäufen von Schulden und für die Absetzung seines Stadtvogtes ausgesprochen. Kurzentschlossen nahm der Graf einige der vorlauten Bittsteller in den Kellern seiner Schlösser Frankenhausen und Straußberg bei Sondershausen in Gewahrsam. Alles protestieren half nichts und so eskalierte der Konflikt im Januar 1577. Angehörige aller Schichten der Einwohner Frankenhausens versammelten sich auf dem Markt vor dem Rathaus und forderten die Freilassung ihrer Angehörigen. Den tumultartigen Aufruhr ließ er durch den Stadtvogt sofort unterdrücken.

Wilhelm drohte mit bewaffneter Auseinandersetzung

Im Gegensatz zu Großvater und Vater, die im Bauernkrieg mehr als unrühmlich auftraten, war Wilhelm in solchen Situationen tatkräftig zupackend und zudem militärisch beschlagen. Zusammen mit seinen Brüdern hatte er im „Nordischen Siebenjährigen Krieg“ 1563 - 1570 zeitweilig König Friedrich II. von Dänemark (reg. 1559 - 1588) gegen Schweden gedient. Sein Bruder Graf Johann Günther von Schwarzburg-Sondershausen (1532 - 1586) forderte ihn unmissverständlich auf, Frankenhausens Bürger freizulassen und schaltete ihren gemeinsamen Oberlehnsherren, Kurfürst August von Sachsen (1526 - 1586), als Vermittler ein. Dieser zitierte alle Konfliktparteien vor das Oberhofgericht in seiner Residenz Dresden. Während Frankenhausens Bürger willig anreisten, Graf Johann Günther nur widerwillig vor die Augen seines Lehnsherren trat, geriet Wilhelm in Zorn und drohte dem Sondershäuser Landesteil der Grafschaft Schwarzburg mit bewaffneter Auseinandersetzung.

hausmannsturm 1890 900x600
Hausmannsturm 1890
hausmannsturm1909 900x600
Hausmannsturm 1909

Unliebsame Frankenhäuser unter Hausarrest

Nun bereute er sein vorrübergehendes Entgegenkommen gegenüber den Frankenhäusern und dem Versprechen, ihnen die Oberburg zu überlassen. Diese hatten bereits seit 1560 mit Sorge beobachtet, wie aus der verfallenden Anlage eine Trutzburg ihres Landesherrn entstand. Oberhalb ihrer Wirtschaftsgrundlage, den Solequellen und ihrer Hauptkirche, der Oberkirche, mochten sie keine Befestigung noch Kerker dulden. Um den Kurfürsten nicht gänzlich zu verärgern, ließ Wilhelm seine Gefangenen scheinbar frei. In Wirklichkeit stellte er sie in Frankenhausen unter Hausarrest und enthob sie weiterhin aller Ämter und Ehren. Wer konnte, entwich aus Frankenhausen und brachte sich in der Reichsstadt Nordhausen in Sicherheit.

Beilegung des Konfliktes

Erst 1579 begann Graf Wilhelm entscheidend nachzugeben. Einerseits hatte der sächsische Kurfürst den Druck auf ihn - aber auch auf seine Brüder - erhöht und drohte somit das gesamte Haus Schwarzburg in eine existenzbedrohende Abhängigkeit zu führen. Andererseits litt die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, indem es im Salzwerk zu Produktionsausfällen kam.

hausmannsturm1932 900x600
Hausmannsturm 1932

Schließlich willigte Graf Wilhelm ein, den Konflikt beizulegen. Er hob den Arrest gegenüber den Bürgermeistern Johann und Balthasar Fischer und ihren Verwandten auf. Vor allem aber bekräftigte er sein - höchstwahrscheinlich im Jahre 1575 - gegebenes Versprechen und überließ dem Rat der Stadt die Oberburg. Die frei werdenden Mittel setzte er lieber für seine anderen Bauvorhaben ein.

Turm als Einrichtung zur Bandmelde

Letztlich war es ein gutes Geschäft. Hatte doch nun der städtische Rat für die Unterhaltung aufzukommen und den Verteidigungszustand zu gewährleisten. Seit dem Dreißigjährigen Krieg war klar, dass der militärische Wert der Anlage völlig unbedeutend geworden war. Zukünftig diente es diesem zur Einrichtung einer Bleibe für den Mann, der vom Turm der alten Burg Brände in den ausgedehnten Siedeanlagen der Pfännerschaft meldete. Hieraus leitete sich der Name „Hausmann“ und letztlich der Name „Hausmannsturm“ ab. Noch immer ist die Stadt im Besitz der Oberburg und sorgt für ihre Erhaltung. Selbst wenn sie ihn aus Kostengründen zurückgeben wollte, die Möglichkeit gibt es nicht mehr. Das Geschlecht der Schwarzburger ist 1971 im Mannesstamm erloschen.