Katholische Kirche

Katholische Kirche St. Marien in Bad Frankenhausen

Um 1864, als sich Minister Hermann Jakob von Bertrab intensiv um die Emanzipation der Katholiken bemühte, ergab sich für die Religionen im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt folgendes Bild:

99,64 % Protestanten
0,21 % Juden
0,15 % Katholiken

Im Landratsamtsbezirk Frankenhausen betrug der Anteil der Katholiken gar nur 0,06 % an der Bevölkerung. Eine wesentliche Zunahme an katholischen Gläubigen setzte nach der Eröffnung einer höheren technischen Lehranstalt, dem „Kyffhäuser-Technikum“, in Frankenhausen ein. Dozenten als auch Studierende kamen nicht allein aus katholisch geprägten Regionen des Deutschen Kaiserreichs, sondern auch aus mehrheitlich katholischen Staaten wie Österreich-Ungarn, Belgien, Luxemburg oder dem zu Russland gehörenden Teil des aufgeteilten Polen. Um an einem katholischen Gottesdienst teilnehmen zu können, mussten sie in die Nachbarstädte Artern oder Sondershausen, die seit 1903 bzw. 1907/08 über je eine katholische Kirche verfügten, reisen. Erleichtert wurde ihnen dies durch die 1898 vollständig fertiggestellte Bahnlinie Rheinsdorf (bei Artern) – Frankenhausen – Sondershausen.

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Katholische Kirche im Winter 1953/1954
Aufnahme Fritz Hahnemann, Bad Frankenhausen
Foto, Sammlung U. Hahnemann
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Polnische Landarbeiterinnen und Landarbeiter auf der Domäne Frankenhausen im Jahre 1922
Foto: Sammlung Regionalmuseum, Bad Frankenhausen

Im Verlauf der Jahre bis nach dem Ersten Weltkrieg ließen sich immer mehr Katholiken in und um Frankenhausen nieder. Ihre Suche nach einem geeigneten Raum für den Gottesdienst hatte 1926 Erfolg. Mit Zustimmung des Stadtrates als Eigentümer der Gebäude stellte der jüdische Direktor des „Kyffhäuser-Technikum“, Prof. Sigmund Huppert (1871 – 1945), einen Saal im Technikum zur Verfügung. Am 06. Juni 1926 konnte erstmals seit Einführung der Reformation eine katholische Messfeier vor rund 153 Menschen abgehalten werden. Der Pfarrer kam auf dem Motorrad aus Artern. Unter den Teilnehmern waren viele polnische Landarbeiter, so dass die Messe in Deutsch und Polnisch gehalten wurde.

Fortan fand jeden zweiten Sonntag in diesem Saal eine katholische Messe statt. Am Technikum führte dies am 20. August des Jahres zur Gründung der „Katholisch Technischen Verbindung Winfridia“, die die weitaus meisten katholischen Studierenden der Lehreinrichtung in sich aufnahm.

In den kommenden Jahren wurde ein Grundstück erworben, das mittels Brücke über den Flutgraben von der Weidengasse aus zugänglich gemacht wurde. Hier konnte am Sonntag, den 21. Dezember 1930, die feierliche Kirchweihe erfolgen. Der Neubau erfolgte nach Entwürfen des Diözesanbauberaters des Bistums Paderborn, Max Sonnen, durch den Bauunternehmer Pott aus Artern. In gleicher bzw. ähnlicher Bauweise der bewusst schlicht gehaltenen und mit einem Lamellendach versehenen, als Diasporakirche konzipierten Kirche, entstanden auch in anderen Orten. Im ursprünglichen Stil erhalten geblieben sind nur Vereinzelte - wie die gleichartige so genannte „Schnitterkirche“ in Klütz , westlich von Wismar.

Bad Frankenhausens katholische Kirche wurde der Himmelfahrt Mariens geweiht. Ab 1935 ist Bad Frankenhausen wieder eine eigene Pfarrkuratie in der Pfarrei Sondershausen, das zum Bistum Fulda gehört.