In unserer Vorstellung verbindet sich der Name Klempner zumeist mit den beruflichen Tätigkeiten, wie der Installation von häuslichen Wasserleitungen, Wasserhähnen, Wasch- und Toilettenbecken, Badewannen oder der Anbringung einer Dachrinne. Bis sich das heutige Berufsbild eines Klempners herausbildete, war es jedoch ein weiter Weg. Ursprünglich betätigte sich der Klempner als Produzent von Gebrauchsgegenständen und Bauteilen aus Blech.

Dazu zählten z.B. Eimer, Schüsseln, Dosen, Teller, Trichter, Lampen und Flaschen. Die Berufsbezeichnung war in Deutschland keineswegs einheitlich. Nur in Nord- und Mitteldeutschland wurde für diesen Beruf das Wort Klempner verwendet. Es leitete sich wahrscheinlich vom Klang eines der verwendeten Arbeitsgeräte, dem Blechhammer ab. Hingegen wurden in West- und Süddeutschland die Bezeichnungen Spengler, Blechner oder Flaschner gebraucht.

Anzutreffen war dieses Handwerk auch nur in größeren oder großen Städten, z.B. Nürnberg oder Leipzig. Da aber auch andere Handwerke die oben aufgeführten Produkte anfertigten, z.B. die Kupferschmiede oder Schlosser, kam es nicht selten zu handfesten wirtschaftlichen Auseinandersetzungen. Unter diesen Bedingungen bildeten die Klempner erst recht spät eigene Innungen oder Zünfte. In Leipzig und Berlin geschah dieses in den Jahren 1652 bzw. 1687. Zu dieser Zeit wurde die Anfertigung und Anbringung von Dachrinnen zu einem Hauptbetätigungsfeld. Die Anzahl der Werkstätten nahm jetzt bis zum Beginn unseres Jahrhunderts unvermindert zu.

Wie gestaltete sich nun die Entwicklung in einer so kleinen Stadt wie Frankenhausen? Zunächst nahmen die hier ansässigen Kupferschmiede und Zinngießer einen großen Teil der Arbeiten war und behaupteten sich gegen jegliche Konkurrenz. Erstmals lässt sich ein Klempner für das Jahr 1830 in Frankenhausen nachweisen. In diesem Jahr erwarb der Klempnermeister Friedrich Wilhelm Louis Rook das Bürgerrecht. Woher er kam und wo er sein Metier erlernt hatte, ist uns leider nicht überliefert worden. Seine Werkstätte etablierte er in der Schmiedegasse, der heutigen Erfurter-Straße.

Anbringen von Dachrinnen war wichtigster Erwerbszweig

Wenige Jahre nach der Geschäftseröffnung verstarb er bereits und seine Werkstatt blieb einige Zeit geschlossen. Seine Frau setzte dann das Handwerk mit einem Gesellen im Mai 1837 fort. Im August des gleichen Jahres eröffnete dann der Klempnermeister Erasmus Stöckel sein Geschäft. Auch dieses befand sich anfangs in der Schmiedegasse und zwar direkt am Erfurter Tor (Stadttor Erfurterstr. – Ecke Bornstraße). Er hatte seine Werkstatt im Hause des Zinngießermeisters Johann Christian Zeitfuchs, dessen Tochter er geheiratet hatte.

Damit wird deutlich, wie nahe sich das Handwerk der Zinngießer und Klempner in der damaligen Zeit noch standen. 1844 verlegte er sein Geschäft in die Oberkräme. Wichtigster Erwerbszweig beider Werkstätten war die Anfertigung, Montage und Reparatur von Dachrinnen. Mit Haushaltswaren aus Blech wurde nur noch Handel getrieben. Ihre Herstellung hatten bereits Metallwarenfabriken übernommen, deren Massenfertigung die Verkaufspreise äußerst niedrig hielten und von den Klempnern und ihrer Einzelfertigung nicht mehr unterboten werden konnten.

Nach 1850 kamen weitere Werkstätten hinzu. Das Handwerk profitierte dabei von der nun einsetzenden industriellen Entwicklung Frankenhausens und dem damit verbundenen Bau von Fabrikanlagen. 1852 eröffneten gleich drei Klempnermeister eine Werkstatt. Um eine Gewerbeerlaubnis zu erhalten, hatten alle drei neben ihrem Zeugnis auch eine kurze Beschreibung ihres beruflichen Werdeganges abzugeben. Diesen Unterlagen sind die nachstehenden Anhaltspunkte entnommen.

Militärdienst begünstigte Gewerbeerlaubnis

Wilhelm Rook, der Sohn des ersten nachweisbaren Frankenhäuser Klempnermeisters Rook hatte seine Lehre in der väterlichen Werkstatt absolviert und übernahm nun das von seiner Mutter geführte Geschäft. Die zweite Neuanmeldung erfolgte durch den Klempnergesellen Hermann Böttcher, einem Sohn des ehemaligen hiesigen Amtsrichters. Er hatte zuvor sein Handwerk 4 Jahre beim verstorbenen Meister Rook gelernt und danach seinen Militärdienst absolviert. Anschließend hatte er 6 Jahre bei auswärtigen Meistern gearbeitet, aber noch keinen Meisterbrief erhalten. Da er aber seinen Militärdienst geleistet hatte, wurde ihm dennoch eine Gewerbeerlaubnis erteilt. Berücksichtigt hatte man dabei, dass die Auswahl zum Militärdienst durch eine sogenannte Auslosung erfolgte und somit dem Zufall unterlag. Der Ausgeloste konnte sich jedoch durch Gestellung eines Stellvertreters davon befreien. Auf diese Möglichkeit hatte aber H. Böttcher verzichtet.

Juden und Katholiken wurde bis ins 19. Jh. Aufnahme in Klempner-Innung verwehrt

Die dritte Neuanmeldung erfolgte durch den Klempnergesellen Ferdinand Schönland. Seinem Gesuch um eine Gewerbeerlaubnis ging eine nähere Befragung der dafür zuständigen Behörde, dem fürstlichen Landratsamt in Frankenhausen voraus. Er gehörte zur jüdischen Religionsgemeinschaft in Frankenhausen. Diese stellte zwar nach der evangelisch-lutherischen und noch vor der katholischen Konfession die zweitstärkste Glaubensgemeinschaft in unserer Stadt, hatte aber über Jahrhunderte hinweg nur eingeschränkte Rechte. Eine Aufnahme in eine der vorhandenen Handwerksinnungen wurde ihnen teilweise bis ins 19.Jahrhundert hinein verwehrt. Erst der industrielle Fortschritt bot auch ihnen die Möglichkeit zu einer gesellschaftlichen Emanzipation. Im Übrigen betraf dieses auch lange Zeit die katholischen Einwohner des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. Auch das Aufnahmegesuch eines katholischen Handwerksmeisters in eine Frankenhäuser Innung wurde fast immer von den vorhandenen Innungsmeistern abgelehnt.

Noch nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 musste der Erste Staatsminister (entspricht der Funktion eines heutigen Ministerpräsidenten) auf Grund seiner katholischen Konfession auf Druck der mehrheitlich evangelischen Einwohner das Fürstentum für mehrere Jahre verlassen. Im Falle von F. Schönland entschied das Landratsamt positiv. Er war in Frankenhausen geboren worden und hatte sein Handwerk in Sondershausen gelernt. Somit hatte Frankenhausen im Jahre 1852 immerhin 4 Klempnermeister mit einer ständig schwankenden Zahl von Gesellen und Lehrlingen.

Allerdings gab es auch den ewigen Gesellen. Als der Klempner Heinrich Franz Rothe seinen Gewerbeschein beantragte, war er bereits fast 24 Jahre als Geselle auf Wanderschaft gewesen. Nun ins Alter gekommen, wurde es für ihn höchste Zeit, sich niederzulassen.

Ende des 19. Jahrhunderts war insbesondere der Sanitärbereich ein neues, wichtiges Standbein der Klempner geworden. Durch die zunehmende Umstellung der Haushalte und Fabriken auf fließendes Wasser und nicht zuletzt das immens florierende Kurgeschäft vor Beginn des Ersten Weltkrieges und die gestiegenen Ansprüche der Kurgäste an ihre Unterkünfte gaben ein breites Betätigungsfeld für das Klempnerhandwerk. Das Aufkommen von Zentralheizungen ermöglichte auch einen schnelleren Einstieg in den Heizungsbau.

Über die kommenden Jahre hinweg blieb die Anzahl der Klempnermeister relativ konstant:

JahrKlempner-
Meister
1862 4
1880 4
1900 4 (u.a. noch immer H. Böttcher, Kräme 26
1910 3
1928 4

 

Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 schwankte die Zahl dann mehrere Jahre beträchtlich. Jedoch waren es nie weniger als zwei und nie mehr als 6 Klempnerwerkstätten gleichzeitig.

Ulrich Hahnemann

Literatur- und Quellenangaben:

Stadtarchiv Bad Frankenhausen: Akten-Nr.: 1/VII - 9.
Frankenhäuser Intelligenzblatt: Jahrgänge 1831 und 1837.
Thüringisches Staatsarchiv Rudolstadt, Bestand Ministerium Rudolstadt, Abteilung Inneres, Akten-Nr.: 4531, 4532 und 4534.
Reith, R.(Hrsg.): Lexikon des alten Handwerks, München 1990, Seite 124 ff.