Obwohl das Kyffhäusergebirge mit einer Fläche von ungefähr 70 km² eines der kleinsten Mittelgebirge in Deutschland ist, bot es durch seine recht zahlreichen großen und kleinen Höhlen Wilddieben, Räubern als auch Mördern reichlich Möglichkeiten zum Unterschlupf. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts zog sich der Räuberhauptmann Loth nach verübter Missetat mit seinen Spießgesellen immer wieder in eine Höhle im Gebirge zurück. Die gut geplanten Raubzüge führten sie bis in den Harz.

Bande ließ sich durch Grafen nicht abschrecken

Loth stammte aus Frankenhausen. Wie er auf die „schiefe Bahn“ geraten war und wann er seine Raubzüge im Umkreis des Kyffhäusergebirges begonnen hatte, dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Um das Jahr 1718 zählte seine Bande rund 24 Mitglieder. Ihren Unterschlupf hatten sie in einer Höhle unweit der Abzweigung der Straße Bad Frankenhausen - Kelbra in Richtung Kyffhäuser-Denkmal gefunden. Hier wähnte sich die Bande sicher.

Mit ihren Raubzügen hatten sie Angst und Schrecken verbreitet. Auch die im Jahre 1704 neu verfasste „Gerichts-Ordnung“ von Graf Albert Anton von Schwarzburg-Rudolstadt (1641 - 1710) konnte sie nicht von weiteren Raubzügen abhalten. Graf Albert Anton, der wenige Jahre zuvor sein Jagd- und Lustschloss Rathsfeld inmitten des Gebirges errichtet hatte, duldete keine Räuber in unmittelbarer Nachbarschaft. Doch weder die Justiz- und Polizeibehörden des Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt noch des Grafen von Stolberg-Roßla vermochten den Bandenmitgliedern habhaft werden. Immer wieder entwischten sie, obwohl ihnen seitens der Bevölkerung keine Unterstützung zuteilwurde.

Loth - die „Hundenase“

Wahrscheinlich sein gutes Geschick, immer wieder einem gestellten Hinterhalt zu entweichen und zugleich zu wissen, wo es sich lohnt, zuzuschlagen, gaben Loth den Spitznamen „Hundenase“. Erst ein schwerer Überfall in der Residenzstadt Sondershausen veranlasste die Landesherren der verschiedenen Kleinstaaten, ihre Behörden aufs engste zusammenarbeiten zu lassen. In der Nacht vom 25. auf den 26. November 1720 drang die Bande in Sondershausen in das Haus des „Hofjuden“ und Darlehnsgeber der fürstlichen Familie und ihres Hofes, Philipp Abraham Wallich ein, überwältigten die anwesenden Bewohner und raubten Münzen im Wert von etwa 26.300 Talern nebst Juwelen, Perlen und Gegenständen aus Gold und Silber. Der Landesherr, Fürst Günther von Schwarzburg-Sondershausen (1678 - 1740), setzte nun sogar Militär ein, um der Bande habhaft zu werden. Doch erst das Aussetzen eines „Kopfgeldes“ 1721 brachte schließlich den gewünschten Erfolg.

Misstrauischer Loth ging doch in die Falle

Für einen Bewohner des Ortes Wolfsberg in der Herrschaft des Grafen von Stolberg-Roßla, seit 2005 ein Ortsteil von Sangerhausen, war die Belohnung Anlass, Loth eine Falle zu stellen. Unter dem Vorwand, einen Diebstahl in einem Nachbardorf zu besprechen, lockte er ihn nach Wolfsberg. War der Wolfsberger auch ein guter Bekannter, der Räuberhauptmann war misstrauisch und ließ sich erst nach einigem Zögern und gut bewaffnet auf das Treffen ein. Graf Jost Christian von Stolberg-Roßla (1676 - 1739) hatte inzwischen Hilfe durch das Sondershäuser Militär erhalten, die den Treffpunkt umstellten. Erst nach heftiger, teils bewaffneter Gegenwehr konnte Loth überwältigt werden. Dabei hatte er sich lebensbedrohliche Wunden zugezogen.

Grafen ließen Höhle zerstören

Er wurde nach Sondershausen gebracht und hier eingekerkert. Bevor er gerichtet werden konnte, erlag in der Haft seinen Verletzungen. Vier Mitglieder seiner Bande, die zuvor schon in die Hände der Behörden gefallen waren, wurden letztlich am 11. September 1722 auf dem Marktplatz in Sondershausen mit dem Schwert gerichtet.

Den Unterschlupf im Kyffhäusergebirge ließen Graf Jost Christian und Graf Albert Anton sofort zerstören. Sie sollte nicht noch einmal Räubern als auch Wilddieben ein sicheres Versteck bieten. Im Volksmund erhielt die Höhle den Namen „Loths Höhle“.

Mythos um Schatz

Im Kerker vertraute Loth einem Wärter, der ihn gut behandelte, die Lage des Ortes an, an dem die Beute der Raubzüge vergraben sein sollte. Es handelte sich um die Rothenburg im Kyffhäusergebirge. Der alte Wärter gab die Angabe des Standortes unter einem Baum an einen Einwohner der Kleinstadt Kelbra weiter. Dieser überzeugte ihn, dass er dem Loth „aufgesessen“ sei und tröstete ihn mit einem Taler. Nachdem der Alte fortgegangen war, ging er zur betreffenden Stelle an der Burg und fand „tatsächlich“ unter einem Baum Loths Schatz. Allein an Geld soll dieser an die 100.000 Taler umfasst haben. Hier beginnt allerdings bereits der Sagenteil des Kriminalfalles, der dadurch Aufnahme in den Sagenkranz für das Kyffhäusergebirge gefunden hat.