Mühlen- und Müllereimaschinenbau

Der Betrieb der in diesem Abschnitt vorgestellt werden soll, wird vielen noch in guter Erinnerung sein. Für den einen oder anderen Frankenhäuser war er bis Anfang der 1990er Jahre sogar Arbeitsstätte. Es handelt sich um die Firma »Julius Landgraf & Sohn, Mühlenbauanstalt & Maschinenfabrik«, den meisten besser bekannt unter dem späteren Namen »VEB Fanal«, einem späteren Betriebsteil des »VEB Kyffhäuserhütte Artern«.

Allerdings liegt der Ursprung des Unternehmens nicht in Frankenhausen. Der Betrieb wurde am 17. April 1853 vom Müller und Mühlenbauer Julius Landgraf in Günserode gegründet. Laut Firmenüberlieferung war bereits der Urgroßvater des Firmengründers als Müller und Mühlenbauer tätig gewesen. Somit besaß der Beruf eine lange Tradition in der Familie, deren Vorfahren zwischen 1740 und 1750 von Griefstedt nach Göllingen übergesiedelt sein sollen. Bis 1853 blieb der Beruf als Müller die Hauptbeschäftigung und der Bau oder Mitbau von Mühlen war eine Nebenbeschäftigung. Im Jahre 1875 verlegte Julius Landgraf dann den Firmensitz nach Frankenhausen und wählte als Standort das Gelände »an der Bachmühle vor dem Klostertor«.

Exporte auch nach U.S.A.

Damals standen am Bachweg - der heutigen Kyffhäuserstraße - nur wenige Bauten. Die Bebauung außerhalb der alten mittelalterlichen Stadtgrenze (Stadtmauer am Wallgraben) hatte erst begonnen und selbst der Name Bachweg als Bezeichnung für diesen Teil der jetzigen Kyffhäuserstraße wurde erst im Laufe der kommenden Jahre gebräuchlich.

Haupterzeugnis der Firma »Julius Landgraf & Sohn« waren die verschiedensten Typen von Müllereimaschinen, die u.a. bis in die USA exportiert wurden. In einem eigenen Konstruktionsbüro entstanden auch Komplettlösungen für den Neubau oder die Rekonstruktion von Mühlen. Die Ausführung des Baues wurde jedoch einer Baufirma übertragen. Erst nach der Jahrhundertwende wurde mit der »Mimas GmbH« (Hoch- und Tiefbau Unternehmen) ein Tochterunternehmen gegründet, welches in der Lage war, kleinere Mühlen selbst zu errichten. Da ein großer Teil der Maschinen aus Holz gebaut wurden, gehörte auch ein eigenes Sägewerk zur Firma.

Mit der Ausweitung der Produktion wurde das Firmenareal nach und nach vergrößert. Zuerst war das Gelände östlich der Kyffhäuserstraße (heute Café/Kneipe Fanal und Pizzahaus Kyffhäuserstraße 51) ausgebaut worden. Die Errichtung der heute noch stehenden und genutzten Gebäude erfolgte ab 1905. Nach 1900 begann dann der Ausbau auf der östlichen Straßenseite, wo sich bis dahin nur der Holzplatz befunden hatte.

Ehrengedenkmünze für 48 Jahre in Firma

Die Belegschaft setzte sich aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammen. Zu ihnen gehörten Schlosser, Stellmacher, Tischler, Dreher u.a. Nur ein kleiner Teil hatte den Beruf eines Mühlenbauers auch erlernt. Viele der Mitarbeiter konnten auf eine 25 bis 50jährige Firmenzugehörigkeit verweisen. Anläßlich des 75jährigen Bestehens des Unternehmens 1928 zeichnete die »Mitteldeutsche Industrie- und Handelskammer in Weimar« den Werkmeister Oskar John mit der Ehrengedenkmünze »Für Treue in der Arbeit« für seine schon 48 in der Firma verbrachten Arbeitsjahre aus.

JahrMitarbeiter
1903  ~25
1929  27
1933 13
1936 40
1940 ~50

 

Einen vorrübergehenden wirtschaftlichen Einschnitt bedeutete die Weltwirtschaftskrise 1929 - 1932. Im Jahre 1931 mussten fast alle Mitarbeiter entlassen werden und der Betrieb wurde kurzzeitig eingestellt. Der damit verbundene Verlust an Betriebskapital führte 1933 zu einer teilweisen Verlagerung der Produktion nach Steinach/Thüringen und wurde dort von den »Thüringischen Staatswerken« ausgeführt. Da man nicht mit einem schnellen Abklingen der Wirtschaftskrise rechnete, band sich die Frankenhäuser Geschäftsleitung langfristig an das Steinacher Staatsunternehmen.

Insbesondere wollte man die zahlreichen und teuren Patenanmeldungen auf die selbst entwickelten Erzeugnisse nicht ungenutzt ablaufen lassen. Erst Ende der 30iger Jahre kam die gesamte Produktion wieder nach Frankenhausen zurück, sodass die Beschäftigtenzahlen wieder anstiegen. Vor allem die staatliche Förderung der sogenannten »Kleinmühlen« brachte der »Mühlenbauanstalt & Maschinenfabrik« auf lange Sicht gefüllte Auftragsbücher, da diese die Hauptkundschaft darstellten.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Firma mehr und mehr als Zulieferbetrieb für die Rüstungsindustrie herangezogen. 1941 erreichte dieser Produktionszweig im Berich der Schlosserei und Dreherei einen Anteil von 80% der Gesamtproduktion. Zwar lagen genügend Aufträge auf Müllereimaschinen vor, jedoch wurde deren Herstellung durch staatliche Anordnungen stark eingeschränkt. Bedingt dadurch verlegte man sich zunehmend auf Reparaturleistungen an den bereits ausgelieferten Maschinen.

Ulrich Hahnemann