Musikfeste

Die Musikfeste 1810, 1811 und 1815

Am 13. Juni 1804 brachten Kantor Bischoff und Stadtmusikus Löscher Joseph Haydn’s Oratorium „Die Schöpfung“ erstmals in der Unterkirche zu Frankenhausen zur Aufführung. Allein das Orchester soll 106 Musiker aus Erfurt, Gotha, Nordhausen, Sondershausen, Quedlinburg, Sangerhausen und weiteren Orten umfasst haben.

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Louis Spohr
(1784 - 1859)
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Johann Simon Hermstedt
(1778 - 1846)

Diese Konzertveranstaltung bezeichnete Kantor Bischoff immer als „Unternehmen“, nie als Musikfest. Einen seiner Nachfolger im Kantorat, Ottomar Töpfer, veranlasste jedoch gerade diese Konzertaufführung dazu, 1904 ein Jubiläumsmusikfest zu veranstalten. Innerhalb der deutschen Musikwissenschaft fand die Konzertaufführung des Jahres 1804 kaum Anerkennung als erstes deutsches Musikfest.

Anerkennung als Musikfest fanden dagegen die „musikalischen Aufführungen“ am 20. und 21. Juni 1810. Auch dieses Mal gelangte Haydn’s „Schöpfung“ zur Aufführung, an der etwas mehr als 200 Musiker und Choristen aus über 20 Städten beteiligt waren. Für das „erste deutsche Musikfest“ hatte Kantor Bischoff namhafte Musiker wie Konzertmeister Louis Spohr aus Gotha, Kammermusiker Johann Simon Hermstedt aus Sondershausen und Kammersänger Johann A.G. Methfessel aus Rudolstadt gewinnen können. Louis Spohr hatte die Leitung des Orchesters als auch die Gesamtleitung übernommen.

Die im folgenden Jahr, am 10. und 11. Juli 1811, staatfindende Veranstaltung, kündigte Kantor Bischoff bereits als „Musik-Fest zu Frankenhausen in Thüringen“ an. Rund 300 Musiker und Choristen waren nunmehr am Musikfest beteiligt. Die Durchführung des Musikfestes war durch die Fürstin-Regentin Karoline Louise von Schwarzburg-Rudolstadt ausdrücklich genehmigt und gefördert worden.

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Fürstin Karoline Louise von Schwarzburg-Rudolstadt
(1771 - 1854)
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Albert Methfessel
(1785 - 1869)

Das dritte und letzte von Kantor Bischoff veranstaltete Musikfest fand am 19. und 20. Oktober 1815 statt. Es stand ganz im Zeichen der vollendeten Befreiung von napoleonischer Fremdherrschaft. Im Mittelpunkt aller Veranstaltungen stand Louis Spohrs Kantate „Das befreite Deutschland“. Aus Frankreich heimkehrende und durchziehende russische Soldaten hielten allerdings zahlreiche Konzertinteressierte vom Besuch ab. Finanziell gestaltete sich dieses Musikfest für Kantor Bischoff zum Fiasko. Auf Bitten Spohrs verzichteten alle Beteiligten auf die Erstattung ihrer Reisekosten und entlasteten dadurch G.F. Bischoff.