Prof. Ing. Sigmund Huppert – ein jüdischer Hochschuldozent zwischen Lehre und Antisemitismus 1902 bis 1931

Prof. Huppert wurde am 18. Oktober 1871 in Koschatka in Mähren, k. und k. Monarchie Österreich-Ungarn, geboren. An der Deutschen Technischen Hochschule Brünn (Brno) studierte er Maschinenbau. Ab 1897 war er als Dozent für Maschinenbau u.a. an der Ingenieurschule Zwickau und dem Technikum Bingen tätig. Zum Beginn des Wintersemesters im Oktober 1902 berief ihn Frankenhausens Stadtrat zum Direktor des Kyffhäuser-Technikum Frankenhausen. Unsicher, ob einem Juden das Direktorat übertragen werden könne, frug Landrat Wilhelm Anton Klipsch (1827 – 1905) in dieser Angelegenheit beim schwarzburg–rudolstädtischen Ministerium des Innern an. Überrascht über die in Frankenhausen diskutierte Frage, antwortete das Ministerium, dass in der Religion des Bewerbers um das Direktorat kein Hindernis zu erblicken sei.

In seiner Amtszeit als Direktor von 1902 bis 1931 entwickelte er aus einem Technikum von vielen, eine der über die Grenzen von Deutschland hinaus angesehensten höheren technischen Lehranstalten des Landes. Unter seiner Leitung wurden 1905 die Fachrichtung Landmaschinenbau und 1908 die Fachrichtung Flugzeugbau etabliert. Flugzeugkonstruktionslehre wurde damit zum ersten Mal an einer deutschen Lehranstalt als Studienfach angeboten.

Bereits 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, kam es zu ersten größeren Anfeindungen an dem 1912 von Fürst Günther Viktor  zum Professor ernannten Technikumsdirektor. Anlässlich der 25Jahrfeier des Bestehens des Technikums 1921 wurden Türen und Wände im Technikum mit Hakenkreuzen bemalt. Die antisemitischen Stimmungen unter Dozenten und Studierenden am Technikum wurden in der Folgezeit eine dauerhafte Erscheinung und übertrugen sich auf einen Teil der Einwohnerschaft Frankenhausens. Im Interesse des Kyffhäuser Technikums spielte Prof. Huppert selbst den Ernst der Situation in der Öffentlichkeit herunter.

Ab Januar 1930 nahmen die Anfeindungen eine neue Qualität an. In Thüringen trat die NSDAP in die Landesregierung ein. Mit Dr. Wilhelm Frick (1877 – 1946) stellten sie zugleich den Minister für Inneres und Volksbildung. In seiner Eigenschaft als Volksbildungsminister übte Dr. Frick Einfluss auf die für 1931 anstehende Vertragsverlängerung für Prof. Huppert aus. Ohne dies tun zu müssen, beugte sich Frankenhausens Stadtrat dem Druck und ließ den Vertrag des Direktors zum 31. März des Jahres auslaufen. Die Debatten der Stadträte wurden begleitet von antisemitischen Presseberichten als auch gewaltsamen Auseinandersetzungen auf der Straße. Seitens der Gegner von Prof. Huppert wurde die Forderung aufgestellt, die Leitung des Kyffhäuser Technikums gehöre „in deutsche Hände“.

Eine nochmalige Anstellung als Hochschuldozent vermochte Prof. Huppert danach nicht mehr zu erlangen. Im Jahre 1938 waren er und seine Frau gezwungen, ihre in Bad Frankenhausen befindlichen Liegenschaften zu veräußern. Bereits für Dezember 1938 gewährte ihnen das Königreich Schweden eine Aufenthaltsgenehmigung. Zu diesem Zeitpunkt wohnte das Ehepaar bereits in Berlin. Doch erst nach Klärung der Vermögensverhältnisse reiste das Ehepaar Huppert am 7. März 1940 nach Stockholm aus. Hier verstarben beide Ehepartner im Herbst 1945 und fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem jüdischen Friedhof in Schwedens Hauptstadt.