Günther XL. zwischen den Stühlen

Damit bringt er Graf Günther, der in Sondershausen mittlerweile fast alle Schwarzburgischen Gebiete in seiner Hand vereinigt - also Frankenhausen, sowie Arnstadt und Rudolstadt - schwer in Bedrängnis. Denn Günther hat sich nicht eindeutig bekannt. Ist er nun Lutheraner oder Katholik? Er braucht den Kaiser, damit er gegen die Wettiner bestehen kann. Nun gerät er zwischen die Fronten. Moritz von Sachsen drängt ihn dazu, auf seine Seite zu wechseln. Damit steht er auf der Seite des Kaisers. Das würde aber wiederum bedeuten, dass der Kurfürst ihm z.B. Arnstadt, die reichste Stadt, wegnehmen kann. Das ist ein Lehen der Ernestiner, der Wettiner in Wittenberg. Er kommt also zwischen die Stühle. Sicherheitshalber lässt er sich vom Kaiser einen Schutzbrief ausstellen, der ihm davor bewahren soll, dass Sachsen und Hessen sein Land bei Kampfhandlungen besetzen. Doch das Schreiben ist nur Makulatur. Als der »Schmalkaldische Krieg« ausbricht, zieht der Kurfürst ausgerechnet durch Schwarzburgisches Gebiet (Frankenhausen/Sondershausen) nach Süden, um den Kaiser zu schlagen. Was ja bekanntlich nicht glückte.

Der Kurfürst kommt zurück. Er hat im Süden kein Erfolg. Die Entscheidung fällt bei Mühlberg in Sachsen an der Elbe, in der Nähe von Riesa. Hier wird er geschlagen. Zu empfehlen hierbei das kleine Museum in Mühlberg mit der Grabstelle des Ganzen. Wunderbar aufbereitet. »Museum Mühlberg 1547« nennt sich das Ganze.

Nach der entscheidenden Schlacht muss Johann Friedrich der Großmütige im Kampf aufgeben. Er kämpft selber mit, wird verwundet, gefangen genommen und wird vor Kaiser Karl gebracht. Sieger und Verlierer treffen nach Mühlberg demnach auch direkt auf einander. Der Kaiser nimmt ihn in Gewahrsam, ihm droht möglicherweise auch der Tod. Ihm werden die Kurwürde und die Kurländer entzogen.

Sichtbar ist das z.B. in Dresden im Schloss in der Rüstkammer. Johann Friedrichs Rüstung, sein Pferd im Vordergrund, das neue Kurschwert für seinen Vetter, Herzog Moritz, der nun Kurfürst wird. Eindeutiger kann man es auch nicht darstellen. Die Kurwürde wechselt den Besitzer.

Der neue Kurfürst Moritz erhebt Ansprüche an die Schwarzburger

Der neue Kurfürst, Moritz, macht sofort deutlich was er will. Er will, dass die Schwarzburger komplett mit allen Herrschaftsbereichen unter seine Lehenshoheit kommen. Im Lutherhaus in Wittenberg zu sehen, mit neuem Kurschwert in der Kurwürde. Das alles ist in der Historie des Hauses Schwarzburg 1743 bei Wilhelm Heinrich Heidenreich auch ausführlich benannt worden. Denn die Auseinandersetzungen führen dazu, dass sie sich langwierig hinziehen und unser Gebiet so berühren, dass hier gar nichts vorwärts geht, keine reformatorischen Ansätze.

Einer, der das komplette Nachsehen hat, ist Graf Albrecht VII. von Mansfeld. Er wird im »Schmalkaldischen Krieg« einen glänzenden Sieg im Norden erringen, im heutigen Niedersachsen. Dieser hat aber keine große Bedeutung, durch die Niederlage von Kurfürst Johann Friedrich und der kampflosen Aufgabe von Landgraf Philip von Hessen in Halle/Saale, der sich dem Kaiser dort unterwirft. Albrecht flieht mit seinen Söhnen außer Landes. Er war auch der einzige, der beim Kurfürsten gekämpft hat. Alle anderen Mansfelder haben auf der Seite von Herzog Moritz gestanden. Er verliert dadurch auch das Amt Allstedt, was nun die Stolberger bekommen. Die haben die Seiten nicht gewechselt, sie sind beim Kaiser geblieben.

Nun wird hart verhandelt. Torgau, das Kleinod, des Kurfürsten von Sachsen - er wird es nie wieder sehen - fällt nun an den neuen Kurfürsten Moritz. Es sei hierbei kurz auf eine (derzeitige) Torgauer Ausstellung hingewiesen, sehr modern gestaltet. »Standfest, Trinkfest, bibelfest...« der Name.

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Wilhelm Heinrich Heidenreich Historie über die Schwarzburger
Bild: Sammlung Regionalmuseum
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Gemälde Kurfürst Moritz im Lutherhaus Wittenberg
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Grabdenkmal Albrecht VII. in der Schlosskapelle von Schloss Mansfeld
Bild: Regionalmuseum
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Schloss Hartenfels (Torgau)
Bild: Regionalmuseum

Und Johann Friedrich der Großmütige ist wirklich standfest. Zum einen, unterwirft er sich dem Kaiser nicht eindeutig und andererseits versucht er auch so viel wie möglich zu halten. Er hält u.a. die Feste Heldrungen. Hier stehen immer noch seine Truppen. Heldrungen soll aufgegeben werden, genauso wie Gotha. Das macht er aber nicht, er sagt: du kriegst das, Kaiser, aber lass mir den Kurhut und mein Land.

Das wiederum kann der Kaiser nicht gewähren, weil vorher schon versprochen. So übt er nun Druck aus. Er hat ja den Landgrafen Philipp von Hessen in Halle gefangen genommen. Jetzt droht er, die Festung nicht durch seine deutschen Truppen erobern zu lassen, sondern durch die Spanier. Und die Spanier werden damals so gehasst und gefürchtet wie die Türken.

Die Spanier rücken also Richtung Heldrungen vor, unter Herzog von Alba, der sicherlich bekannt sein dürfte. (Niederländischer Befreiungskrieg, er kennt keine Gnade). Nun bricht in der Region Panik aus. Die Leute fliehen. Am Ende kapituliert aber die Festung, Johann Friedrich übergibt sie. Sie wurde sogar als Gefangenenort für Philipp vorgesehen. Die Spanier sollten hier Vorort die Gefangenschaft kontrollieren. Die ziehen aber nun weiter in Richtung Rudolstadt und erleben dort »Fürstenblut für Ochsenblut«.

Die Gräfin Katharina, Frau von Heinrich dem Reformator, setzt Alba gefangen, droht ihm, wenn er nicht außer Landes zieht, lässt sie ihn spüren, wie ein Bauer mit ihm umgeht. Das soll hier aber nicht weiter Gegenstand sein, das ist Oberherrschaft der Schwarzburger.

Aber auf dem Land ist diese Panik durch die katholischen Spanier nicht unbegründet. Es werden alle möglichen Gräueltaten überliefert, nach der Eroberung von Wittenberg und Torgau. Man weiß, was einen erwartet, wenn die Spanier loslegen. Das ist nicht etwa so, als wenn man heute im Urlaub nach Spanien kommt, sind alle nett - damals gewiss das Gegenteil.

Festsetzung des Augsburger Interims

In Thüringen wird den Ernestinern nun gesagt, ihr seid beschränkt auf Weimar oder Gotha und auf Coburg. Wittenberg und das Voigtland verliert ihr. Aber sie halten an der Lehenshoheit über die Schwarzburger in Arnstadt fest. Das wird zu einem Zankapfel zwischen den Ernestinern und dem Albertinern unter den Wettinern. Der Kaiser stützt sich zunächst auf Graf Günther den Reichen, beschreitet ihn 1548: du musst dich mit deinem Lehen an Herzog Kurfürst Moritz wenden, der muss sie dir bestätigen…

Das ist für Günther eine ziemlich harte Last. Er muss also nach Dresden marschieren und den Lehenseid schwören, damit er sein Land behalten kann. Der Kaiser ist andererseits auf seinen Höhepunkt. Er steht am Grabe Luthers in Wittenberg in der Schlosskirche. Er wird Herzog Alba nicht folgen und dessen spanischen Ambitionen, dass man dieses Grab zerstört sowie die Grablege. Das ist Überlieferung. Aber er setzt das »Augsburger Interim« auf dem Reichstag in Augsburg 1548 fest. Es heißt, es wäre eine Zwischenlösung. Die Zwischenlösung bedeutet, er ist zwar der Sieger, doch hat er auch viele Protestanten, Lutheraner, im Land.

Er möchte nun ein Konzil herbeiführen. Dieses Konzil soll dazu führen, dass alle Lutherischen wieder in den Schoß der katholischen Kirch zurückkehren. Das klappt jedoch nicht so einfach. In diesem Interim wird bestimmt, was ein jeder darf. Auf der einen Seite welche Zeremonien abgehalten werden dürfen, dass keine Klöster mehr verkauft und aufgelöst werden dürfen. Das wiederum bringt die Sieger in die Bredouille. So beraten die sächsischen Landstände im Schloss in Torgau ihr weiteres Vorgehen und beschließen das »Sächsische Interim«. Sie legen somit eine eigene Lösung vor.

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Cranach-Altar in der Weimarer Herderkirche
Bild: gemeinfrei
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Herderkirche Weimar
Bild: Regionalmuseum
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Karl V. in Rüstung (Gemälde von Tizian, Original um 1550)
Bild: gemeinfrei
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Grabplatte Grab Martin Luthers, Schlosskirche Wittenberg
Bild: Regionalmuseum

Katholische Räte legen Veto gegen neue Kirchenordnung ein

Der in Gefangenschaft standfeste Johann Friedrich, lässt gar noch eine Münze schlagen, damit alle wissen, dass er auch in Gefangenschaft bei Androhung des Todes als Kurfürst, als geborener Kurfürst, fest zum Lutherischen Glauben steht. Das ist für alle im Land ein deutliches Zeichen. Die Medaille kann man in einer (derzeitigen) Sonderausstellung im Dresdner Schloss sehen.

Nun müssen die Sachsen handeln. Kurfürst Moritz schickt kurzum all seine hohen Kirchenvertreter ins Rennen. Sie sollen ihm eine Kirchenordnung nach dem eigenen, sächsischen Interim entwerfen. Das erledigen sie auch prompt, sind ja schließlich Lutheraner. Aber dann kommen die katholischen Räte und wenden ein: Alles schön und gut. Ja, erkennen wir an. Unterzeichne das ruhig, Kurfürst, aber veröffentlicht wird diese Ordnung nicht.

Nun treffen viele Briefe in Dresden ein. Alle wollen diese Kirchenordnung erlangen. Allerdings werden alle Antragsteller lapidar beschwichtigt, dass sich etwa die Kirchordnung momentan in der Druckerei befände bzw. noch nicht fertiggestellt sei oder eben die Ausgabe sich verzögere. Die Kirchenordnung wird also nie an den Mann gebracht, schon gar kein Pfarrer bekommt sie in die Hand. Sie liegt weiterhin verborgen in Dresden. Und nur wenn der Kaiser nicht merkt, dass der Kurfürst so langsam schwankend wird, wird das alles zurück gehalten. Darauf ist man in Grimma übereingekommen.

Zu den wichtigen Beratern gehören zum einen der Bischof von Merseburg, nämlich Georg von Anhalt und zum anderen Philip Melanchthon. Interessanterweise war Martin Luther nie der Berater von Herzog Moritz, das war nicht sein Typ, sie kamen nicht miteinander klar. Er hat sich immer an Melanchthon gehalten.

Der Kaiser hat außerdem auch seine Begehrlichkeiten und erklärt nun auf einmal seinem neuen Kurfürsten: die Kurwürde hast du bekommen, aber in Merseburg setzt du bitte einen katholischen Bischoff ein, und den Georg und deinen Bruder ziehst du aus dem Feld.

Sie müssen also abtreten. Es kommt ein katholischer Bischoff wieder zurück und bleibt dort für mehrere Jahre. Dieser hat dann auch eine größere Bedeutung für unser Gebiet, das eigentlich schon längst im Sinne der Reformation vorwärtsgeschritten ist.

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Medaille auf die Ablehnung des Interims durch Kurfürst / Herzog Johann Friedrich von Sachsen,
Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Sonderausstellung Schloss Dresden
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Rathaus und Markt in Grimma
Bild: Rgionalmuseum
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Philipp Melanchthon
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Rabenkäfig vor dem Schloss Merseburg
Bild: Regionalmuseum

Das Gleiche passiert in Naumburg und in Zeitz. Dort muss er ebenfalls einen katholischen Bischoff einsetzen, den Julius von Pflug. Der ist eigentlich sehr umgänglich. Er hat auch das Interim mit entworfen, gewissermaßen auf einer Ebene des Ausgleiches. Im Bild zu sehen eine Darstellung in Zeitz in der Moritzburg, eine Inszenierung in einer Ausstellung, sehr empfehlenswert.

Überall kommen jetzt auf einmal die Katholiken in hohe Ämter zurück, so auch in Meißen. Der Kurfürst selbst muss das Bischofsamt in Meißen aufgeben und die Wahl eines neuen Bischoff zulassen. Doch die Auswahl an Domherren katholischen Glaubens ist überschaubar gering. Es sind grade mal fünf an der Zahl.

Darunter ist auch Nicolaus von Ebeleben, den wir hier sehen. Er hat später eine der schönsten Lutherbibeln herausgebracht. Hier ist er jedoch noch katholisch. 1550 wählt er gegen den Kurfürsten einen neuen katholischen Bischoff, Nicolaus II. Fünf Jahre später stirbt er. Von Ebeleben wird auf einmal Lutheraner und verweigert die nächste Wahl. 1555 ist er also bei der Wahl nicht mehr zugegen. Jetzt ist er hingegen Lutheraner. Der letzte Bischoff stirbt nach wenigen Jahren und Moritz kommt als Kurfürst wieder zurück.

Das sind aber momentan nicht seine einzigen Sorgen. Es gibt eine Stadt in Mitteldeutschland, die leistet erbitterten Widerstand, das ist Magdeburg. Dort ist das Auffangbecken für alle Lutheraner, die irgendwo vertrieben wurden. Dahin geht auch Albrecht von Mansfeld. Kurfürst Moritz ist nun vom Kaiser beauftragt worden, diese Stadt einzunehmen. Ein eigentlich lutherisch Bekennender soll eine Lutherische Stadt erobern und sie dem Kaiser zurückführen. Darüber wurde dann in Eisleben verhandelt. Die Mansfelder und Schwarzburger werden dazu eingeladen. Derjenige, der das verhandeln soll, ist Christoph von Werthern, als kurfürstlich-sächsischer Rat. Der gute Mann ist noch katholisch. Er muss die Evangelischen unter einen Hut bringen, damit man gegen Magdeburg marschieren kann.

Kürfürst Moritz erobert Magdeburg, lässt Albrecht nebst Frau ziehen

In und vor Magdeburg stehen sich dann auf einmal Verwandte gegenüber. Es gibt einen Schwarzburger Grafen, der verteidigt Magdeburg. Günther der Reiche muss Frankenhäuser und Sondershäuser sowie aus den umliegenden Dörfern Aufgebote bringen, die mit nach Magdeburg marschieren und die Stadt erobern sollen.

Die Stadt ergibt sich letztendlich. Kurfürst Moritz ist jedoch scharfsinnig. Er macht ihnen ein Angebot: Ihr kapituliert mir gegenüber, dafür dürfen alle protestantischen Kämpfer abziehen, ich krümme euch kein Haar. Kurfürst Moritz steht zu seinem Wort. Vorher wird allerdings erst einmal hart gekämpft.

Während dieser Scharmützel flieht Albrecht mit seiner ganzen Familie. Begleitet wird er dabei auch von seiner Frau Anna. Beide waren ja am Sterbebett von Luther zugegen. Anna wird in Magdeburg derart schwer verwundet, sodass sie ein Bein verliert. Albrecht bittet Kurfürst Moritz solange in der Stadt bleiben zu dürfen, bis seine Frau transportfähig ist. Sie wird ihn auch weiter begleiten, immer wieder ins Exil. Bis er schließlich in seine mansfeldisch-allstedtischen Gebiete zurückkehren darf. Treu im Glauben bis zum Letzten, in der ganzen Familie.

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Anna von Mansfeld (Honstein-Klettenberg), (1490 - 1559)
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Grabplatte Graf Günther XL. in der Liebfrauenkirche in Arnstadt

Nun wandelt sich aber Kurfürst Moritz. Er merkt, der Kaiser ist nicht mehr so mächtig, und ohne ihn schon rein gar nicht. Er wird aktiv und schmiedet ein Bündnis gegen den Kaiser. 1552 schlägt Kurfürst Moritz los. Er zwingt wieder Schwarzburger und Mansfelder zu seinen Truppen. Viele bleiben aber auch fern, aus Angst vor dem eigentlich noch mächtigen Kaiser. Moritz jagt seine spanisch-deutschen Truppen durch ganz Süddeutschland, durch Tirol. Bei der Ehrenbergerklause in Tirol bringt er den Kaiser in Gefangenschaft. Der schafft es mit Ach und Krach nach Südtirol zu entfliehen.

Im Bild zu sehen: ein spanischer Mantel, der erbeutet wurde - heute in Dresden in der Rüstkammer zu bestaunen.

Nun gestaltet sich auf einmal das Geschehen in Deutschland ganz anders. Moritz war ja als der »Judas von Meißen« verschrien gewesen, der die Protestanten verraten hat, im Kampf gegen den Kaiser. Er hat davon aber profitiert. Nun auf einmal ist er derjenige, der den Kampf führt und gleichzeitig auch noch Diplomat wird. Er verhandelt mit dem Bruder des Kaisers, König Ferdinand. Der hingegen möchte unbedingt seinen Bruder auch als Kaiser im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation beerben. Karl V. möchte aber definitiv seinen spanischen Sohn, Philip II. zum Regenten machen. Dagegen sträubt sich aber in Deutschland absoluter Widerstand - bloß keinen Spanier!

Nach der Niederlage des Kaisers wird der »Passauer Vertrag« ausgearbeitet. Protestanten und Katholiken nähern sich hier an, in Person von Kurfürst Moritz und König Ferdinand. Es ist eine Vorstufe zum Ausgleich. Aber diesen Ausgleich wird dann Moritz nicht mehr erleben. Das passiert aber Vorort. 1552 als der Kaiser verliert, ist Graf Günther auf einmal voll bei der Sache. Lutherisch durch und durch, auf seine letzten Lebenstage. Das macht er besonders deutlich, indem er z.b. im Chorherrenstift in Jechaburg einen Lutherischen Dechanten einsetzt. Er zeigt demnach nach außen deutlich, im diesem Stift in Jechaburg verläuft nun nichts mehr nach katholischen Ritus. Man sieht hier die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Jechaburg.

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Kriegsbeute, Spanischer Mantel, Rüstkammer Dresden
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Kurfürst Moritz von Sachsen, Gemälde von Lucas Cranach dem Jüngeren, 1578, Dresden, Rüstkammer
Bild: gemeinfrei
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König / Kaiser Ferdinand I. von Habsburg (1503 – 1564)
Bild: gemeinfrei
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Pfarrkirche St. Peter und Paul in Jechaburg
Bild: Regionalmuseum

Durch Engagement eines Katholiken kann sich Protestantismus durchsetzen

Aber es tun sich erneut Kriegswetter auf. In Franken kämpft ein Markgraf von Brandenburg, Albrecht II., Alcibiades genannt, gegen den Bischof von Bamberg und den Bischof von Würzburg. Man dürstet nach eigenem Territorium. Doch das ist nicht so ohne weiteres zu haben. Er zieht somit in Richtung Norden. Zuerst streift er Arnstadt. In Arnstadt ist es der Sohn von Günther dem Reichen, ebenfalls mit Namen Günther, Günther der Streitbare. Der meldet dem neuen Kurfürsten, dass sich Truppen nähern, die eigentlich für den Kaiser kämpfen wollen. Auf einmal stehen sie schon vor den Toren. Der Markgraf lässt die Truppen demonstrativ durch Heldrungen marschieren, direkt an der Feste des Wettiners vorbei. Die Feste wird nun gehalten von Fürst Moritz von Sachsen. Diese haben sich hier verschanzt. Der Markgraf indes zieht weiter Richtung Norden und in Niedersachsen bei Sievershausen, in Richtung Celle, kommt es dann zur Schlacht. In dieser Schlacht kämpft Moritz mit weniger Truppen gegen den Markgrafen von Brandenburg, eigentlich Protestant. Er kämpft aber für die katholische Sache.

Nun vereint sich Kurfürst Moritz mit dem erzkatholischen Heinrich II. dem Jüngeren, den wir bereits aus dem Bauernkrieg kennen. Ein alter Mann, ewig treu dem katholischen Glauben. Er rückt aus. Zusammen mit seinen drei Söhnen, die beiden ältesten sind katholisch, der jüngere bändelt mit dem Luthertum. Alles nicht weiter schlimm, wenn die ältesten am Leben bleiben.

In der Schlacht verliert er jedoch die beiden ältesten Söhne und so führt der jüngste dann im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel die Reformation ein. In der Schlacht verliert aber auch Kurfürst Moritz sein Leben. Es fallen außerdem auch Leute aus der Umgebung, wie Otto von Ebeleben. Also auch der regionale Adel, der dort eingesetzt wird, erleidet Verluste.

Mit dem Ausgang dieser Schlacht wird aber nun endlich dafür gesorgt, dass im Reich wieder Ruhe einkehrt. Durch das Engagement eines Katholiken, Heinrich dem Jüngeren, wird also erreicht, dass sich der Protestantismus durchsetzen kann. Letzten Endes war die Schlacht siegreich für die lutherischen Protestanten.

Kurfürst Moritz wurde ein bombastisches Grabdenkmal im Dom zu Freiberg zuteil. Der »Judas von Meißen« hat auf einmal gezeigt, dass auch er den Glauben Luthers verteidigen kann. Das hat sich natürlich auch regional bemerkbar gemacht.

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Grabmahl Graf Günther XLI., Arnstadt, Liebfrauenkirche
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Bericht zur Schlacht: tödliche Verwundung Kurfürst Moritz,
Stadtarchiv Bad Frankenhausen
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Verwundung eines Otto von Ebeleben
Stadtarchiv Bad Frankenhausen
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Grabmal Kurfürst Moritz von Sachsen im Dom zu Freiberg/Sachsen
Bild: Regionalmuseum

Es kommt nun endlich ein Ausgleich. Nach der Wittenberger Kapitulation sind sich die Ernestiner und die Albertiner überhaupt nicht einig geworden. Johann Friedrich der Großmütige lebt schließlich noch. Jetzt ist er nur noch Herzog in Weimar und in Gotha. Er ist 1552 aus der Gefangenschaft entlassen wurden, durch den Sieg von Moritz über den Kaiser. Aber der jüngere Bruder, August von Sachsen, erbt. Er ist jedoch ein Diplomat, kein Kämpfer. Er schafft eine Übereinkunft mit seinen ernestinischen Verwandten, auch betreffend: die Schwarzburger, ebenfalls betreffend: Graf Albrecht von Mansfeld.

Auch heute ist davon noch etwas zu sehen. Der Vertrag heißt »Naumburger Vertrag«. Am Rathaus in Naumburg ist eine Umschrift an der Fassade angebracht, dort kann man noch einiges lesen. Dieser sogenannte »Naumburger Vertrag« von 1554 führt dazu, dass im Ergebnis das Amt Sachsenburg von den Albertinern in Dresden an die Ernestiner abgetreten wird und auch die Oberlehenshoheit über das Amt Allstedt, welches wieder an Graf Albrecht zurückfällt, der es nun wieder in Besitz nehmen kann.

Damit ändert sich auch etwas Vorort, denn mit dem Amt Sachsenburg wechseln auch einige Dörfer, wie z.B. Gorsleben oder Etzleben. Mit dem Amt Allstedt kommt es nun dazu, das z.B. das Kloster Mönchpfiffel oder Orte wie Heygendorf und Kalbsrieth auf einmal dann jemanden unterstellt werden, der rein protestantisch ist, rein protestantische Oberhoheit. Es wechselt also immer auch der Landbesitz. Es geht immer wieder um Land. Religion und damit verbundene kriegerische Auseinandersetzungen haben immer auch mit Landbesitz zu tun.

In der Nachbarschaft ist es das Kloster Oldisleben, was endgültig an die Ernestiner fällt, gehört dann also dem späteren Herzogtum Sachsen-Weimar bzw. Sachsen-Weimar-Eisenach. 1555 kommt es endlich zur Unterzeichnung des »Augsburger Religionsfrieden«. Die Lutheraner und die Katholiken stehen sich auf einmal gleichberechtigt gegenüber. Aber es gibt eine protestantische Richtung, die nicht mit eingeschlossen ist, das sind die Calvinisten, die lassen wir heute aus, das würde zu weit führen.

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Naumburger Rathaus
Bild: Regionalmuseum
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Untere Sachsenburg
Bild: Regionalmuseum
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Kloster Oldisleben im Jahre 1730
Bild: Regionalmuseum
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Allegorie auf den Augsburger Religionsfrieden, 1655, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek

Doch das Endergebnis ist noch nicht erreicht. Man bekennt sich zwar zur Lehre Martin Luthers, man ist Lutheraner, aber es gibt unterschiedliche Strömungen. Vater August von Sachsen probiert, alle Protestanten unter einen Hut zu bringen. Er lässt ein sogenanntes Concordienbuch schreiben, die Sammlung der Bekenntnisschriften zu Martin Luther. Damit schafft er eine Grundlage, die schriftlich vorliegt. Er lässt dieses Buch dann im Land herumgehen. Er lässt es verschicken, an alle Adligen, alle Landesherren. Sie sollen es durchlesen und unterschreiben.

Diesem Anliegen werden nicht alle folgen. In Westfalen unterschreiben nicht alle und die Württemberger versuchen auch ihren eigenen Weg zu gehen. Aber in der Region wird diese Bekenntnisschrift von den beiden regierenden Grafen unterschrieben, sowohl Wilhelm in Frankenhausen als auch Johann Günther in Sondershausen, sowie Johann Hoyer von Mansfeld, bestattet in der Arterner Marienkirche. Die wichtigsten Adligen Vorort unterschreiben diese Bekenntnisschriften und damit wird schließlich alles, was das Thema Martin Luther betrifft, auch anerkannt, von den Adligen in der Region, den Landesherren. Man versucht somit eine einheitliche Kirche zu schaffen. Was dabei aber außer Acht gelassen wird, ist - das werfen die Württemberger und Teile der Westfahlen August von Sachsen vor - dass er sich damit zum obersten Herrn über alle Lutheraner macht. Indirekt ist es ja auch so.

Zeuignis der Schwarzburger in der Wittenberger Schlosskirche

Das ändert sich erst, als August der Starke zwecks polnischer Königskrone und ganzer Liebelei auf einmal Katholik wird. Sichtbar ist diese Akzeptanz auch heute noch. Wer sich damals zum Luthertum bekannt hat, der durfte sich dann auch später in Wittenberg in der Schlosskirche im Chorgestühl verewigen. Wir sehen hier zweimal das Schwarzburger Wappen, einmal für Sondershausen und einmal für Schwarzburg-Rudolstadt. Der Löwe nach rechts schreitend und einmal nach links schreitend.

Die Schwarzburger durften sich in Wittenberg verewigen, die Mansfelder finden wir hier nicht. Warum das? Seit 1570 befanden diese sich in der Zwangsverwaltung (durch hohe Verschuldung) und wurden von den Sachsen, durch August beschnitten.

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Wappen Schwarzburg-Rudolstadt in der Schlosskirche zu Wittenberg
Bild: Regionalmuseum
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Wappen Schwarzburg-Sondershausen in der Schlosskirche zu Wittenberg
Bild: Regionalmuseum