Rosenmühle

Obwohl schon längere Zeit nicht mehr in Betrieb, ist die Rosenmühle gewissermaßen doch die letzte verbliebene Mühle in der Stadt Frankenhausen. Ich selbst kann mich noch aus meiner Kinderzeit an das metallene Wasserrad erinnern. Heute allerdings möchte ich an die gesamte Entwicklung der Mühle, soweit diese bekannt ist, erinnern.

Frankenhäuser Mühlen

Ein genaues Entstehungsjahr ist, wie auch bei den zuvor behandelten Mühlen, nicht überliefert. Vermutlich wird sie aber einige Zeit nach Fertigstellung der Kleinen Wipper angelegt worden sein, denn dieser künstliche Wasserlauf ist ja ihre Antriebsquelle gewesen. Für die Versorgung der Stadtbewohner war es in jedem Fall von Vorteil, dass die Mühle innerhalb der Stadtmauern lag.

Erstmalig wird die Rosenmühle in den Stadtstatuten von 1558 erwähnt, als sie (gemeinsam mit der Marktmühle) als Lehngüter der Grafen von Schwarzburg an den Rat der Stadt gegeben wurden. Später kaufte der Stadtrat beide Mühlen und verpachtete sie. Aus einer Akte des Stadtarchivs geht hervor, dass beide Mühlen zusammen von 1577 – 1599 an den Rat 994 Marktscheffel Getreide (nicht Mehl ???) geliefert haben.

Müller - kein romantisches Leben

Die Pachtmüller zur damaligen Zeit hatten es nicht leicht, auf einen grünen Zweig zu kommen. Sie bekamen die Mühlen meist für 3 Jahre - oft gar nur für 1 Jahr - zugesprochen, hatten diverse Abgaben zu leisten und meist noch eine vielköpfige Familie zu versorgen. Wir finden im 17.Jahrhundert Michael Nauland, seinen Sohn Martin Nauland, Hans Hanemann, Hans Conrad Schöttensack, Hans Schönau, Peter Biltzing, dessen Sohn Elias Biltzing als Pachtmüller in der Rosenmühle verzeichnet; und es ist vermerkt, dass einige von ihnen ihre Pachtgelder nicht bezahlen konnten. Kein romantisches Müllerleben also. Trotzdem muss gerade die Rosenmühle attraktiv gewesen sein, denn um 1645 bewerben sich gleich mehrere Müller um einen Pachtvertrag. Aus einem Inventarverzeichnis vom gleichen Jahr erfahren wir, wie die Mühle beschaffen war:

  • Die Läufer (Läuferſteine, S.R.) an der Ober- und Untermühle (gemeint nd 2 verſete Mahlgänge, S.R.) nd jeweils 1 ¼ (?) ho.
  • 2 gute Bodenſteine
  • 2 alte Steine vom Vorgänger Martin Nauland
  • 1 neuer und ein alter Mahlkaſten
  • 1 alter Seidekaſten
  • 1 Zapfen mit 2 Ringen an der Ober- und ein Zapfen mit 3 Ringen an der Untermühle
  • 1 Malzkübel
  • 2 gute Kammräder
  • 1 gute Wee mit Waerrad an der Obermühle und 1 neue Wee mit Waerrad an der Untermühle
  • 1 Saufelzapfen mit 2 Ringen an der Unter- und ein Saufelzapfen mit 3 Ringen an der Obermühle
  • 1 kupferne Mee,
  • 1 alter Seffel
  • 1 alte Eſelskrippe,
  • Stäe mit Türen und Breerböden.
  • 1 Bleie am Garten,
  • ein Hühnerhaus,
  • 2 gute Fenster in der Stube,
  • 1 guter Ofen jedoch ohne Röhre und Ofentopf,
  • 3 Fensterladen

Stadt konnte Geliehenes nicht zurückzahlen

Zu jenem Zeitpunkt befand sich die Mühle bereits im Besitz eines Herrn Caspar Bohne aus Saalfeld. Er hatte im Jahr 1610 dem Stadtrat eine größere Summe Geld geliehen und dafür die Rosen- und Marktmühle als Pfand erhalten. Da sich die Stadt später nicht imstande sah, die Summe zurückzuzahlen, verkauften die Bohnerschen Erben beide Mühlen an Hofrat Laurentius von Henning in Rudolstadt. Der Käufer zahlte 800 Gulden an und den Rest in jährlichen Raten zu 400 Gulden.

Im Jahre 1711 heiratet Jacob Andreas Worbeß, der Sohn des verstorbenen Falkenmüllers die verwitwete Rosenmüllerin Katharina Gertrud Morig (oder Mories) und übernimmt gleichzeitig die Rosenmühle. Die Familie Worbeß war zu jener Zeit ein weitverzweigtes Müllergeschlecht, dessen Vertreter auch in Rottleben und Udersleben tätig waren. Auch die nachfolgenden Rosenmüller Johann Daniel Kaps und Johann Friedrich Burckhardt entstammten solchen Müllerdynastien.

Ein Zwischenfall aus dem Jahr 1741 erhellt die fortwährenden Auseinandersetzungen um die Nutzungsrechte am Wasser der Kleinen Wipper. Der Rosenmüller wird in Bendeleben

...zu Nat ertappet, wie er in turbatorier (beeinträtigender, S.R.) Weiſe  unterfangen, ſole in den Wippergraben geſete Breer aufzuziehen, da das Waer daraus nit auf das Bendelebene Rieth, ſoles zu wäern, laufen können.

Er wurde verhaftet, vor das Bendelebensche Gericht gebracht und zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Hintergrund war ein langjähriger Gerichtsstreit des Kammerjunkers Anton Ludwig Wurmb zu Bendeleben mit dem Stadtrat von Frankenhausen. Der Besitzer des Rittergutes und der Gerichtsbarkeit im Dorf Bendeleben versuchte dabei sein Besitzrecht am Lauf der Kleinen Wipper zu beweisen, allerdings ohne Erfolg.

Etwa um 1780 beginnt ein neues Kapitel in der Mühlengeschichte als Johann Friedrich Burckhardt die Mühle in sein Eigentum übernimmt. Als er mit nur 38 Jahren verstirbt, heiratet 1786 seine Witwe Maria Sophia Burckhardt den Meister Johann Christian Steinhäuser, der zuvor schon als einfacher Müller in der Rosenmühle arbeitete. Er selbst stammte aus der Niedermühle zu Günstedt und seine Familie sollte nun 3 Generationen lang die Geschicke in der Mühle bestimmen.

Am 4.7.1843 wurde ein neuer Sicherpfahl bei der Rosenmühle gesetzt. Außer dem Besitzer waren bei diesem offiziellen Akt der Müllermeisters Johann Martin Runkwitz aus der Marktmühle, Vertreter der Pfännerschaft und des Stadtrates anwesend. Ein Sicherpfahl legt im Zusammenhang mit dem Fachbaum am Wehr die Stauhöhe und somit die Menge des Wassers fest, welche einer jeden Mühle zusteht.

1862 ist die Mühle mit 5 Gängen verzeichnet, 1887 nur noch mit dreien. Woraus die Verminderung resultierte, ließ sich nicht ermitteln. Vielleicht hing es mit einem insgesamt geringerem Wasserangebot zusammen, denn bereits einige Jahre zuvor beschwerten sich Rosen- und auch Marktmüller über die genehmigte Wasserentnahme für die Brauerei eines Herrn Seeland.

Müller erwarb Orgel aus der Schlosskapelle

Unter der Familie Steinhäuser entwickelte sich die Mühle trotz mancher Schwierigkeiten zu einem florierenden Unternehmen. Nach Johann Christian Steinhäuser trug dessen Sohn Ludwig Günther die Verantwortung für die Mühle. Neben seiner Frau gehörten 12 Kinder zur Familie. Da er ein sehr musikalischer Mensch war, unterrichtete er auch seine Kinder auf diesem Gebiet. Aus der Schlosskirche von Frankenhausen hatte er eine Orgel erworben, welche er in seiner Wohnstube einbaute und darauf die Hausandachten begleitete. Die Wohnung der Müllerfamilie befand sich damals noch im dritten Stockwerk des Mühlengebäudes. Ludwig Günthers ältester Sohn Karl wurde später Organist und Königlicher Musikdirektor in Mühlhausen, sein zweiter Sohn Ernst Friedrich übernahm die Mühle vom Vater.

Ernst Steinhäuser heiratete die älteste Tochter des Bachmühlenbeitzers Gille und war neben dem Mühlenbetrieb auch für das Gemeinwohl engagiert. Er arbeitete im Kirchen- und Schulvorstand mit und wurde 1886 zum Vertrauensmann der Müllerei-Berufsgenossenschaft berufen.

Am 1.August 1889 war im Frankenhäuser Intelligenzblatt folgendes zu lesen:

Einem geehrten Publikum von Frankenhauſen und Umgebung zur Narit, da meine Roſenmühle dur Verkauf an Herrn W. Haake übergegangen iſt. Indem i mi hiermit für das Wohlwoen, weles mir ſeit einer Reihe von Jahren von meinen werten Kunden zuteil wurde, beſtens bedanke, bie i dasſelbe au auf meinen Nafolger übertragen zu woen.
Hoatungsvo.
Friedri Steinhäuſer

Umfangreiche Modernisierung

Im Jahr darauf wurde Hochzeit in der Rosenmühle gefeiert, als der neue Besitzer Albert Friedrich Wilhelm Haake die Tochter des vorigen Eigentümers Auguste Bertha Steinhäuser heiratete. Wieder begann eine neue Familientradition, welche bis heute fortdauert. Der neue Rosenmüller beabsichtigte nun, statt zweier Wasserräder nur ein einziges breites einzubauen. Gleichzeitig wollte er den defekten Fachbaum durch einen steinernen ersetzen, aber um 13 cm höher legen. Es gab mehrere Einsprüche gegen diesen Plan, hauptsächlich seitens des Marktmüllers, doch am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss. Somit stand der technischen Erneuerung der Mühle nichts mehr im Wege. Anstatt der veralteten Steinmahlgänge wurden moderne Walzenstühle eingebaut und als Zusatzantrieb ein Gasmotor installiert. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Leistung der Mühle mit 500 Tonnen im Jahr angegeben.

Odyssee des Müllersohnes durch die Wasserwelt

Aus dem Jahr 1908 ist ein Ereignis überliefert, welches auch als Anekdote der allgemeinen Stadtgeschichte gelten kann:
Im November jenes Jahres fiel nämlich der jüngste Sohn des Mühlenbesitzers beim Spielen in den Ablaufkanal der Rosenmühle. Das Wasser trieb ihn über den Anger, durch die Kräme und über den Marktplatz. Da aber der Wasserlauf bereits 3 Jahre zuvor abgedeckt worden war, wurde der Kleine quasi unterirdisch bis kurz vor die Marktmühle gespült, und erst dort von beherzten Leuten gerettet, die von dem Zwischenfall erfahren hatten.

Das Söhnchen hatte jedoch Glück im Unglück, wuchs heran und übernahm 1920 selbst die Leitung der Rosenmühle, gemeinsam mit seinem Bruder. Unter Kurt und Fritz Haake entwickelte sich der Betrieb stetig weiter und verzeichnete vor dem Zweiten Weltkrieg 25 Angestellte. Es wurde ein Elektromotor als Hilfsantrieb eingebaut und man erzeugte Energie für den Eigenbedarf. Bemerkenswert ist auch, dass im Jahr des Kriegsbeginns 1939 eine neue Welle für das Wasserrad bei einer Firma in Westfalen bestellt und bereits bezahlt wurde. Sie wurde auch geliefert – allerdings erst 1947!

Autor: Steffen Rödiger

Quellennachweis

Unter Verwendung von:

Akten aus dem Stadtarchiv Bad Frankenhausen,
Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt,
Artikeln des Frankenhäuser Intelligenzblattes,
Eintragungen der Kirchenbücher sowie
persönlichen Angaben von Gertrud und Heinz Haake