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Gemeindeversammlung

Gemeindeverſammlung am 5. Auguſt 1914 auf dem Frankenhäuſer Marktpla

Für Mittwoch, den 5. August, hatten Oberbürgermeister Martin Sternberg (OB 1903-1915) und Vertreter aller im Stadtrat von Frankenhausen vertretenen politischen Parteien die Bevölkerung zu einer Gemeindeversammlung auf den Marktplatz gebeten. Dem Aufruf war eine nach Tausenden zählende Schar aus allen Schichten der Stadt, jedoch auch aus den nahegelegenen Dörfern gefolgt. In seiner überaus vaterländisch gehaltenen Rede versprach der Oberbürgermeister den ausgerückten Soldaten Wir sorgen für Eure Lieben daheim. Paul Landgraf (1861-1939), Vertreter der bürgerlichen Parteien und nach dem Krieg 1919 Mitglied des Volksrates für Thüringen, sprach sich für die Bewilligung von Kriegskrediten aus. Dagegen fiel es Franz Winter, Präsident des Schwarzburg-Rudolstädtischen Landtages, schwerer, die innere Zerrissenheit seiner eigenen Partei, der SPD, in Worte zu fassen. In seiner Ansprache, die für das gesamte Fürstentum und seine Sozialdemokratie stand, versuchte er einen Kompromiss:

»Eine were Siſalsſtunde iſt über uns gekommen. I bin der voen Überzeugung, daß der überwältigende Teil unſeres lieben Vaterlandes niemals einen Krieg gewünt hat. Nadem wir aber auf beiden Seiten, von Oſt und Weſt, vom Feinde bedroht werden, ſo gilt kein langes Parlamentieren, ſondern es gilt ein einmütiges Handeln und in dieſer Zeit muß i Ihnen ebenfas erklären, daß ae Klaen- und Parteigegenſäe hier auszueiden nd, daß wir na dieſer Ritung hin ae, die wir hier an der Soe zurügeblieben nd, für unſere Verteidigung eintreten woen und müen…I ließe mit dem Wune, daß dieſer Krieg, der über unſer Vaterland hereingebroen iſt, ret bald beendet ſein möge und das es der lete Krieg ſein möge

Tosenden Beifall, Hoch- und Bravo-Rufe erhielten alle Redner. Über ihnen, in Nischen in der Rathausfassade, die beiden Büsten von Kaiser Wilhelm II. und dem 1890 verstorbenen, populären Fürst Georg Albert von Schwarzburg-Rudolstadt. Nach verlorenem Krieg und »Revolution« wurden sie entfernt. Dem Krieg ablehnend gegenüberstehende Mitglieder der örtlichen Sozialdemokratie hatten sich lediglich in den Mitgliederversammlungen äußern können. Erst in den letzten beiden Kriegsjahren gewannen ihre Ansichten rasch an Zuspruch. Doch jetzt stimmte die Mehrheit der Bevölkerung dem absolut kaisertreuen Oberbürgermeister und seinem Ruf zu:

Stimmen Sie mit mir ein in den Ruf: Unser deutsches Vaterland, sein Kaiser, seine Fürsten und Völker, Gott gebe ihnen und uns den Sieg. Hoch, hoch, hoch!

Sich der Häupter entblößend sangen die Anwesenden gemeinsam Deutschland, Deutschland über alles. Eine derart patriotische Kundgebung sollte es nicht noch einmal geben.

 

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