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Reformation (3)

Frankenhausen noch ziemlich katholisch

Es geht beispielsweise nicht an, dass sie im katholischen Kloster leben, sich katholisch geben, aber gleichzeitig versuchen, mit den Männern von Frankenhausen ins Geschäft zu kommen. Hier sind Verhältnisse eingerissen, die wieder unter Kontrolle gebracht werden müssen. 1543 fordert Graf Günther von Schwarzburg die Nonnen auf, den Habit abzulegen, zur lutherischen Predigt zu gehen und sich entweder zu Luther zu bekennen - dann können sie auch den Mann, mit dem sie grade anbändeln heiraten - oder aber sie verbleiben im Kloster und benehmen sich, wie sie sich vorher zu benehmen hatten, nämlich keusch.

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Reste der Schlossanlage

in Ebeleben, 2017

Bild: Sammlung Regionalmuseum

1543 ist kein Reformationsdatum für uns, wie in Frankenhausen oftmals behauptet wird, es ist vielmehr nur eine Reaktion von Günther auf die Aufforderung aus Dresden, endlich zu handeln. Die Visitatoren besuchen nun Frankenhausen und stellen auf einmal fest: die Stadt, die im Bauernkrieg als Raubhaus von Herzog Georg bezeichnet wurde – immerhin zu Schimpf und Schande seines Landes - ist auf einmal noch ziemlich katholisch.

Es gibt also mehr katholische Bevölkerungsanteile, als man vermutet hat. Von der Feststellung: Reformation hat sich durchgesetzt, ist man noch sehr weit entfernt. 1542 sind Stadt und Umland noch ziemlich katholisch.

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Kirche St. Bartholomäus

in Ebeleben

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Das Gleiche passiert in Wiehe. Die Familie von Werthern wird 1541 aufgefordert. Sie bekennt sich nun zum Luthertum und kann somit auch auf das Kloster Donndorf zugreifen. Diese Handlungsweise macht also auch nicht vor dem regionalen Adel halt, egal wie hoch oder nieder er ist. Januar 1542 erwischt es die Grafen von Mansfeld auf Heldrungen und Artern. Sie mögen nun endlich das Luthertum einführen, sich endlich bekennen. Auch hier ist also Katholizismus in dieser Zeit noch weit verbreitet.

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Epitaph

für Hans von Ebeleben (†1569), evangelisch-lutherische Kirche St. Bartholomäus in Ebeleben.

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Der nächste Schlag kam 1543. Es wird im Dresdner Schloss beschlossen, dass die Klöster zum Verkauf angeboten werden. Die Landstände entschieden sich nun endlich dafür, weil sie Interesse bekundeten, ein Kloster zu kaufen. Ein Drittel der Klöster dürfen aber auch durch Bürgerliche erworben werden. Demgegenüber ist man in Dresden sehr aufgeschlossen. Es kommt förmlich zu einem Ansturm auf die Klöster. Jeder will eins haben. Auch Christoph von Ebeleben sichert sich ein Kloster, denn er ist in Thüringen dafür verantwortlich, dass diese auch an den Mann gebracht werden. Nun, wenn man so will, typischer Fall von Selbstbereicherung.

Kloster Donndorf wird demnach aufgelöst, aber die Nonnen dürfen bleiben. Man wirft sie nicht einfach aus dem Kloster. Den vollen Zugriff auf das Kloster bekommt man letztendlich erst, wenn der letzte Mönch bzw. die letzte Nonne verstorben ist oder das Kloster verlässt.

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Schloss Wiehe

Tor

Bild: Sammlung Regionalmuseum

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Dresdener Schloss

Bild: Sammlung Regionalmuseum

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Kloster Donndorf

Bild: Sammlung Regionalmuseum

In Dresden wird sodann gleich mitbeschlossen: man möge sich im Lande umschauen, irgendwo muss ein Kloster als Zuflucht fortbestehen, sowohl für alle Mönche, die im Kloster verbleiben wollen, als auch für die Nonnen hat man ein Nonnenkloster zu reservieren. Man bietet demnach allen Gottesdienern ein Kloster an und erwirkt somit das Verlassen der bisherigen Klöster. Sollten die Geistlichen damit nicht einverstanden sein, müssen sie Vorort verbleiben und sich außerdem anpassen. Sie haben dann wie eine Nonne zu leben, aber trotzdem zur lutherischen Predigt zu gehen. Diese Sache wird freigestellt. So verfährt man fast überall im Lande.

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Freigelegte Fundamente

des ehemaligen Klosters Marksußra (Ebeleben)

Bild: (c) Uwe Vogt

Weiterhin wird gleichzeitig beschlossen: das Volk muss gebildet werden, natürlich hauptsächlich, um fromme Kirchgänger und gehorsame Landesdiener zu schaffen. So zeugen heute noch viele Schulen davon, dass sie einst aus einem Kloster hervorgegangen sind. Die Klöster, das Eigentum, als auch die Klöstergebäude müssen dem Schulwesen zugeführt werden. Deshalb haben wir auch 1563 in Kloster Donndorf eine Schule.

1552 wird in Marksußra, Ebeleben eine Schule gegründet, vermutlicher Standort ist etwa die heutige Katholische Kirche bzw. der Einkaufsmarkt. In Frankenhausen wird ebenfalls das Kloster aufgelöst.

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Ehemaliges Refektorium

des Zisterzienser Nonnenklosters in Frankenhausen

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Man sieht hier das ehemalige Refektorium dargestellt. Gräfin Elisabeth von Schwarzburg setzt durch, dass 1552 darin eine Schule gegründet wird, als wahrscheinlich die letzte Nonne verstirbt oder das Kloster verlässt, das wissen wir nicht so genau. Bis heute beherbergt das Gebäude eine Schule, wenn auch in unterschiedlichen Gebrauch, wie z.B. Landschule, Technikum, Berufsschule oder (noch) aktuell: Teil des Gymnasiums.

Die in der Region vielleicht bekannteste Schule ist sicherlich Roßleben. 1554 von der Familie von Witzleben ins Leben gerufen, nämlich durch Heinrich von Witzleben. Er hat dies allerdings nicht ganz freiwillig bewerkstelligt. Das ist eine Sache, die in Dresden ausschlaggebend war. Jedenfalls setzt er die Umwandlung in eine Schule um, und zwar sehr erfolgreich. Zuvor wurden sie an verschiedenen Sachen gehindert.

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Gräfin Elisabeth

Grabplatte Liebfrauenkirche Arnstadt

Bild: Sammlung Regionalmuseum

In Merseburg gibt es einen katholischen Bischof, der ist für Thüringen zuständig. Dieser Bischof Sigismund von Lindenau - zu sehen seine Grabplatte auf dem Merseburger Dom - setzt sogar einen von Witzleben in Gefangenschaft, damit dieser - nach dem Tod Herzog Georgs - bloß nicht etwa einen evangelischen Prediger annimmt. Es sind massive Auseinandersetzungen im Gange. Bis der Bischof schließlich selbst eingreift. Erst als dieser stirbt, kommt es in Merseburg - dies ist für uns wichtig hier im Thüringischen - zu einer Wandlung.

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Ehemaliges Kloster in Roßleben

Heute Schule (Gymnasium)

Bild: Sammlung Regionalmuseum

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Grabplatte Bischof Sigismund

von Lindenau († 1544) im Merseburger Dom

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Klosterschule Roßleben

Ostfassade

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Die Merseburger Szene wird von den Albertinern beansprucht, von Herzog Moritz von Sachsen in Dresden. Er möchte seinen jüngeren Bruder, Herzog August, versorgen. Er kann ihn aber nicht zum Bischof von Merseburg ernennen. Somit kommt es im Gegensatz zum Kurfürstentum Sachsen zu einer kuriosen Besonderheit. Sein Bruder Herzog August wird 1544 zum Administrator gewählt, einschließlich zum Bischof. Aber die bischöflichen Rechte wird ein wirklicher Mann der Religion ausüben, Georg III. von Anhalt. Man teilt die Planstelle somit auf. Das Theologische liegt bei von Anhalt und das Administrative bei Herzog August.

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Klosterpark Altzella

ehemaliges Wirtschaftsgebäude

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Auf diese Art und Weise sind sie auch für unsere Gebiete in Thüringen verantwortlich. In der Nähe von Dresden gibt es das Kloster Altzella. Die wichtigste Grablege der Wettiner im Mittelalter. Dieses wichtige Zisterzienserkloster wählen sie aus, um hier deutlich zu machen: wir beginnen mit einer Umstrukturierung im Sinne der Reformation in unserem Gebiet, nämlich an historischer Stelle, an der unsere Vorfahren liegen. In einem Mausoleum, welches später errichtet wurde - in der Zeit um 1800 - sind die meisten Markgrafen beigesetzt bzw. aufgebahrt.

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Mausoleum

für die Markgrafen von Meißen aus dem Haus Wettin

Bild: Sammlung Regionalmuseum

1543 wird hier eine Konsistorialordnung nebst einer Eheordnung beschlossen, damit endlich einiges wieder in die richtigen Bahnen kommt, den gewünschten Verlauf nimmt, da alles etwas auseinander geraten ist. Nicht nur bei Nonnen und Mönchen, sondern auch in der Bevölkerung. Es wird außerdem eine Kirchenordnung beschlossen.

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Burgberg Meißen

links: Meißner Dom, rechts: Schloss

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Das geht ins Land hinaus und betrifft insbesondere auch die Schwarzburger, Stollberger, Mansfelder, unsere ganze Region. Es bahnt sich ein weiteres Kuriosum an. In Meißen findet sich niemand, der gleichzeitig Administrator und auch Bischof ist.

So wird Herzog Moritz von Sachsen das erste Mal - wie der Kurfürst auch – zusätzlich oberster Kirchenherr in einer Person, wenn auch nur für den Bereich des alten Bistums und nur mit Konsistorium Meißen.

In Merseburg schreitet man zur Tat. Man holt Martin Luther heran. Der Bischof Georg von Anhalt wird von höchster protestantischer Instanz, von Martin Luther selbst, ins Amt eingeführt. Hier wird auch ein Zeichen für einen Wandel gesetzt, denn die Bevölkerung in Stadt und Land ist noch nicht vollständig auf der Seite Luthers.

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Titelseite

der Kosistorialordnung von 1542

Bild-Quelle: mdz, public domain

Was passiert in unserer Region?

Wir haben den Landgrafen von Hessen schon im Bauernkrieg kennengelernt. Bereits früh ein Anhänger der Reformation ist Philipp auch derjenige, der in der Nachbarschaft das Sagen hat, nämlich beim Benedektinerkloster Göllingen, über die Reichsabtei in Hersfeld, zu welcher auch dieses Kloster gehört. Hier zeichnet sich erneut ein Kuriosum ab. Philipp selbst ist zwar ein Vorkämpfer der Reformation, aber er setzt den Abt in der Reichsabtei Hersfeld nicht einfach ab. Bis etwa 1608 wird es einen katholischen Abt geben, der letzte Katholische in der Reichsabtei, alle anderen sind bereits Lutheraner. Er steht immer noch dem Kloster in Göllingen vor. Ein Katholik verwaltet eigentlich Liegenschaften die durch reformatorische Ansätze dem Lutherischen zugeführt wurden.

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Klosterturm

Kloster »St. Wigbert«, Göllingen

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Darüber hinaus gibt es Schwarzburgische Voigte. Der hessische Schutzherr über die Reichsabtei Hersfeld und Vorort ist der Graf von Schwarzburg der Schutzvoigt des Klosters. Zu diesem Zeitpunkt ist der Schwarzburger immer noch katholisch. Günther bekennt sich sehr spät. Der Druck wird jedoch immer stärker. Johann der Beständige war schon nicht gerade fein und zimperlich. Sein Sohn jedoch, Johann Friedrich der Großmütige wird derjenige sein, der für seinen Glauben auch ins Feld zieht. Er wird kein Erbarmen kennen. Er drängt die Grafen von Schwarzburg zur unbedingten Einführung der Reformation. Sie sollen sich bekennen. Ab 1532 geht es dann für die Schwarzburger rund. Bei einem hat er Glück. Das ist der eigentlich in Arnstadt regierende Heinrich, genannt der Reformator, der bewerkstelligt das von allein.

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Standkreuzstein

Göllingen, vor 1000

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Graf Heinrich regiert zugleich Katholiken und Lutheraner

Aber er kann es nicht überall durchziehen. In Rudolstadt, Arnstadt in den Schwarzburgischen Gebieten der Oberherrschaft mag das vielleicht noch zu meistern sein, aber ihm gehören auch noch Clingen und Greußen. Diese beiden Städte unterstehen dem albertinischen Herzog Georg. Solange dieser lebt, darf Heinrich hier überhaupt nichts machen. Er regiert somit ein Land im Thüringer Wald schon Lutherisch, im Norden (Clingen und Greußen) dagegen katholisch. Er selbst bekennt sich eindeutig zu Luther. Aber in Clingen und Greußen geht solange nichts vorwärts, bis Herzog Georg stirbt.

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Kirche in Clingen

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Gleichzeitig ist Arnstadt auch ein Zentrum des sich gebildeten Schmalkaldischen Bundes, an der Spitze der Kurfürst von Sachsen, Landgraf Philipp von Hessen. Aber auch viele andere niedrige Adlige und Reichstädte sind vertreten. In Arnstadt werden aber auch Bundestage abgehalten, also auf schwarzburgischen Boden. Es gibt sogar eine Bundesfahne, die zwar nie ins Feld geführt wird, aber hier sind die Mansfelder und auch die Schwarzburger mit ihrem Wappen vertreten. Für jeden deutlich zu sehen, wir gehören dazu. Man fühlt sich bei den Mansfeldern mit Martin Luther sehr verbunden. Graf Abrecht VII. Zeit seines Lebens wird er dem Glauben treu bleiben, nicht davon abfallen. Sogar an Luthers Sterbebett ist er zugegen als Luther einschläft.

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Ratskeller

in Clingen

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Die Zeiten werden indes härter.

Der »Schmalkaldische Bund« hat sich gebildet, welcher auch die Wettiner trennt. Der Kurfürst ist Mitglied, er hat immer versucht, zusammen mit Landgraf Philipp, auch den Herzog Moritz von Sachsen dazu zugewinnen. Er hat katholische Räte, die ihm folgendes raten:

Den Kurfürsten nebst Landgrafen hinhalten, auch wenn es die eigene Verwandtschaft ist und somit dem Habsburger Kaiser signalisieren: ich bleibe auf deiner Seite.

Warum dieses Vorgehen? Das Ziel ist eindeutig. 1485 hat es eine Teilung gegeben. Das Kurfürstentum Sachsen mit dem Kurhut. Der jüngere Bruder jedoch bekommt das Herzogtum ohne Kurhut. Wir haben also zwei Linien, die hier miteinander konkurrieren. Moritz will den Kurhut. Seine Absicht: am Ende in Freiberg eine Koalition zu schaffen, bei der die Grafen Vorort eingebunden werden - die dabei genannten »Harzgrafen« sind nichts anderes als die Hohensteiner, Stollberger und die Schwarzburger.

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Liebfrauenkirche Arnstadt

Bild: Sammlung Regionalmuseum

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Luthers Sterbebett

Gemälde William Pape

Bild: gemeinfrei

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Nicht verwirklichte Bundesfahne

des »Schmalkaldischen Bundes« mit Mansfelder und Schwarzburger Wappen,
Original. Hessisches Staatsarchiv Marburg

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Schloss Freudenstein

Freiberg (Sachsen)

Bild: Sammlung Regionalmuseum

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