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Gottesackerkirche

Über Begräbniskapellen und Kirchen auf dem Alten Friedhof in der Zinkestraße, jetzt »Botanischer Garten«

Oberamtsrichter Freiherr von Ketelhodt berichtet in seinen »Mitteilungen aus der Geschichte der Stadt Frankenhausen«, S.66-68 dazu folgendes:

Nach Dinkler hat schon in alten Zeiten eine kleine unscheinbare Begräbniskapelle vor dem Angertor gestanden. Man könnte wohl dazu kommen, hier die Kapelle des heiligen Nikolaus zu suchen, die als älteste Kirche gilt, außerhalb der Stadt lag und von einem Friedhof umgeben war. Von dieser Kirche finden sich nur wenige Nachrichten, die über ihre Lage keine Auskunft geben.

Im Jahre 1282, den 7. Mai, stellt Graf Friedrich von Beichlingen eine Urkunde aus ante civitatem Frankenhusen in cimiterio St. Nicolai (Begräbnisstätte St. Nicolai vor der Stadt Frankenhausen, I.M.), in der er die Hälfte des Mittelbergs bei Oberheldrungen dem Deutschen Hause Griefstedt überläßt; 1417 wird ebenfalls, nach Dinkler des cimiterii St. Nicolai, gedacht; 1521 lebte daselbst ein armer Clausner, den man nur den Bruder zu St. Niclas nannte; 1526 war hinter der Kattenburg im Wolfstale ein ermordeter Mensch gefunden worden, den man auf dem Gottesacker der Kirche St. Nicolai begrub. Das ist alles, aber gerade aus der letzten Nachricht wird man darauf schließen können, dass sich diese Kirche westlich von der Stadt befunden hat.

Entwurf der Kirche und Ostgiebel

1960er Jahre

Bilder: Sammlung Regionalmuseum

Nimmt man hinzu, dass sich hinter den Häusern Zinkestraße 4 und 6 als Rückwand ihrer Scheunen noch Mauerreste eines offenbar größeren Gebäudes befinden und in der Scheune von Zinkestraße 4 noch eine vermauerte Kirchentür zu sehen ist, so gewinnt die Annahme an Wahrscheinlichkeit, dass hier die Kirche St. Nicolai zu suchen ist, und dass ihr Name in Vergessenheit geriet, als man gleich neben diesem verfallenen Bau die neue Gottesackerkirche errichtete. St. Nicolaus war vornehmlich durch seine Wohltätigkeit gegen die Armen ausgezeichnet und somit zunächst Schutzpatron der Armen- und Aussätzigenhäuser, die aus Rücksicht auf die Städtische Gesundheitspflege außerhalb der Mauer angelegt waren.

gottesackerkirche 1960er farb

Südansicht (Friedhofseite)

1960er Jahre

Bild: Sammlung Regionalmuseum

gottesackerkirche 1960er innen

Gottesackerkirche

Links:Blick von der Nordhäuser Straße 1940er Jahre
Rechts: Innenraum während der letzten Jahre des Bestehens

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Als im Jahre 1597 die Pest den Kirchhof bei der Klosterkirche gefüllt hatte, wollte man einen neuen Friedhof auf dem Schützengraben anlegen; dieser Plan scheiterte an dem Widerspruch des Lehnherrn Georg Worm. Es wurde daher 1599 vom Stadtrat ein gemeiner Raum vor dem »Nordhäuser Tor« hierzu eingeräumt und durch Ankauf des Gartens und der Scheune vom Bürgermeister Valtin Teuthorn und des gleich daran stoßenden Gartens von Melchior Schultze vergrößert. Die Scheune wurde zur Kirche umgebaut und 1609 als Kirche zum Heiligen Kreuz eingeweiht. In demselben Jahre wurde der Friedhof abermals erweitert durch Zukauf des Gartens von Härtung Fischer, Anna Thöldin, geb. Fischer, und Hans Fischer.

gottesackerkirche 1960er von sued

Blick von Südost (Friedhof)

1950er Jahre

Bild: Sammlung Regionalmuseum

Am 28. Dezember 1609 fand in der Kirche die erste Trauerfeier bei Beerdigung des elfjährigen Nikolau Kannengießer statt, wovon ein Denkstein in der Kirche Kunde gab. 1624 wurde die Kirche durch die Freigebigkeit des Ratskämmerers Hermann Kuppe besser ausgebaut, insbesondere mit einer hölzernen Decke versehen. Im Jahre 1750 machte sich die Erweiterung der Gottesackerkirche nötig, wozu das Hirtenhaus, das dicht dabei gestanden hatte, verwendet wurde. Allein schon in demselben Jahre begann man mit dem Bau einer neuen Gottesackerkirche nicht weit davon, etwas weiter hinaufwärts.

gottesackerkirche 1960er

Blick von Nord

Bild: Sammlung Regionalmuseum

gottesackerkirche 1960er dachstuhl schaden

Beschädigter Dachstuhl

Ansicht von Nord, 1960er

Bild: Sammlung Regionalmuseum

1756 wurde das Dach aufgesetzt, am 14. Mai 1757 der Turmknopf, in welchen die hier verwerteten Nachrichten eingelegt waren. Die erste Leichenpredigt hielt 1758 der Superintendent Johann Christoph Fritsch bei Beerdigung des Bürgermeisters Johann Christoph Scheidt; die erste Rede in der Kirche hielt am 13. November 1758 der Diakonus Johann Alexander Kirchheim »zu einer höchſtbedrängten Zeit, da man wegen der beſtändig ein- und ausmarſchierenden franzöſiſchen Truppen in großer Gefahr und Sorge lebte«. Der Kirchhof reichte von der Zinkestraße an südlich bis zu der Ecke, wo die große Linde steht (wurde abgeholzt, I . M .) im Osten und quer durch bis zu der Stelle im Westen, wo die alte Kalksteinmauer in eine Sandsteinmauer übergeht (ist heute noch nachzuvollziehen, I.M.).

gottesackerkirche 1960er verfall

Dem Verfall preisgegebene Gottesakckerkirche

Links Eingang zum ehemaligen Friedhof, 1960er Jahre

Bild: Sammlung Regionalmuseum

botanischer garten2023

Eingang zum ehemaligen Friedhof

heute Botanischer Garten, 2023

Bild: J.Schreiber

treppe gottesackerkirche 2017

Treppe von der ehemaligen Gottesackerkirche

hinunter zum Friedhof, 2017

Bild: J.Schreiber

Im Jahre 1860 wurde der südlich dieser Linie liegende Garten des weil. Bürgermeisters Hauthal für 2000 Taler dazugekauft und der Mühlgraben für die Grabenmühle, der durch diesen Garten floß, verlegt.

Der Friedhof wurde am 30.9.1887 als solcher geschlossen und später als »Botanischer Garten« der Bevölkerung als Park nutzbar gemacht. Die Gottesackerkirche wurde etwa um die 1960er Jahre abgerissen, die entstandene Freifläche ist heute ein Parkplatz.

Ingrid Mansel

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