Anfänge

»Der lete Zug iſt abgefahren«

Aus der Geschichte der Kyffhäuserbahn 1894 - 2006

Ausstellungsdauer: 27. Nov. 2011 - 26. Feb. 2012

Am 29. März 1868 trafen sich in Rossleben staatliche, kommunale und private Interessenten, um über den Bau einer Eisenbahn von Naumburg über Artern und Frankenhausen bis Sondershausen zu beraten. Sie wählten ein Komitee, in das mit dem Bankdirektor Boer und dem Kommerzienrat Hornung auch je ein Vertreter aus den Städten Sondershausen und Frankenhausen gewählt wurden. Im Auftrag des Komitees warben beide in ihren Heimatstädten und dem Umland für die finanzielle Unterstützung des Eisenbahnprojektes. Ihre Bemühungen trafen nicht nur auf Zustimmung, sondern teilweise auf offene Ablehnung bei Gewerbegruppen und einzelnen Gemeinden. Die Gemeinde Ringleben galt gar als »bahnfeindlich«.

Joint-Venture von Schwarzburg und Preußen

Aus dem Gründungskomitee ging eine Aktiengesellschaft hervor, die sich jedoch 1874 selbst liquidierte. Unter Federführung der preußischen Staatsregierung wurde bis 1889 schließlich nur die Streckenführung Naumburg-Artern, die so genannte »Unstrutbahn«, ausgeführt. Erst nachdem das Königreich Preußen und das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt am 1. Dezember 1888 vertraglich vereinbart hatten, den Bau einer Eisenbahnstrecke von Reinsdorf bei Artern nach Frankenhausen zu bewerkstelligen, begann die Königlich-preußische Eisenbahndirektion Erfurt mit den dafür notwendigen Vorbereitungen. Mit 1.540.000 Mark stellte der preußische Staat den größten Teil der Bausumme bereit. Schwarzburg-Rudolstadt bewilligte einen Zuschuss von 90.000 Mark und verpflichtete sich zur unentgeltlichen Bereitstellung von Grund und Boden.

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Überblick des Streckenverlaufs
Bild: Regionalmuseum
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Die Einweihung des Frankenhäuser Bahnhofs am 2. Juli 1894
Foto: Regionalmuseum

Die am 4. Juli 1894 feierlich eröffnete Bahnlinie schloss Frankenhausen und die Gemeinde Esperstedt an die 1879 vollendete Strecke Magdeburg – Erfurt an. Anschlussbahnhof wurde die neu entstandene Station Bretleben. Der Name des Anschlussbahnhofs übertrug sich später auf die Benennung der Gesamtstrecke Bretleben – Sondershausen.

Das Bahnhofsgebäude in Frankenhausen projektierte der Architekt Carl Reichenbach, besser bekannt als Bauleiter des Kyffhäuser-Denkmals. Sein Entwurf diente auch zur Vorlage für die Empfangsgebäude der Bahnhöfe Esperstedt, Rottleben und Göllingen. Etwa zeitgleich mit dem Engagement bei dem Projekt »Unstrutbahn« bemühten sich das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen und die Residenzstadt Sondershausen erfolgreich am Zustandekommen der »Nordhausen – Erfurter Eisenbahngesellschaft«.

Bereits im Mai 1868 erfolgte die Grundsteinlegung für das Empfangsgebäude des heutigen Hauptbahnhofs und am 17. August 1869 konnte die Bahnverbindung Nordhausen – Erfurt eröffnet werden. Doch der Bahnhof lag recht weit vor den Toren der Stadt. Noch vor Eröffnung der Strecke Reinsdorf – Frankenhausen im Juli 1894 erteilte die Fürstlich Schwarzburg-Sondershäuser Regierung im Mai 1894 die Erlaubnis zum Bahnbau in Richtung Frankenhausen.

Preußen nahm Bau auf eigene Kappe – Schwarzburg leistete Zuschuss

Im Dezember 1895 beschloss die Stadtgemeinde Sondershausen den Ankauf von Grundstücken zur Anlegung einer Haltestelle südlich der Stadt. Das Fürstliche Ministerium unterstützte diese Bemühungen durch Verzicht auf die Erstattung der Kosten von Amts wegen. Im Februar 1896 unterzeichneten die Regierungen des Königreichs Preußen und der Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen einen Staatsvertrag über den Bau der Eisenbahnstrecke Sondershausen-Frankenhausen.

Preußens Regierung erklärte sich darin bereit, den Bau auf eigene Rechnung auszuführen. Entsprechend der zu erwartenden Vorteile leistete Schwarzburg-Sondershausen einen Baukostenzuschuss von 125.000 Mark und Schwarzburg-Rudolstadt in Höhe von 25.000 Mark. Die Unterzeichnung des Staatsvertrages durch Staatsminister Petersen und die Höhe des Zuschusses machen deutlich, welche wirtschaftliche Bedeutung (Stichwort Kali-Industrie) Schwarzburg-Sondershausen der Vollendung der Bahnlinie beimaß.

Als schwierig erwies sich der Bauabschnitt im Bereich des Göldner, wo es zu Erdrutschen kam. Um entstandene Bauverzögerungen aufzuholen, wurde ab März 1898 ein Eisenbahnregiment zur Unterstützung eingesetzt. Von Frankenhausen aus wurde der Bau in Richtung Sondershausen ebenso betrieben.