Soziales Engagement im Fürſtenhaus –

Das Beiſpiel Fürſtin Anna Luiſe

Bei Ausbruch der Kriegshandlungen lagen die Förderung sozialer Fürsorge und der Aufbau örtlicher Strukturen im Roten Kreuz zunächst allein bei den Gemeinden oder Einzelpersonen wie Dr. Ernst Graef in Frankenhausen. Das Nichtvorhandensein organisierter Strukturen innerhalb des Fürstentums erkennend, wendete sich Fürstin Anna Luise von Schwarzburg (1871 – 1951 in Sondershausen) am 26. September 1914 mit einem Aufruf an die Frauen des Landes:

»Die großen Aufgaben der freiwilligen Krankenpflege im Kriege fordern für das Rote Kreuz eine tätige Hülfe durch Frauenarbeit.«

Nach Vorbild im Reich forderte sie die Frauen in den Gemeinden auf, sich in Zweigvereinen des Vaterländischen Frauenvereins zusammenzuschließen, um die freiwillige Krankenpflege zu unterstützen. Das Fürstenpaar nutzte die zahlreichen Schlösser beider Fürstentümer und bereiste unablässig das Land. Bei Aufenthalten in der Unterherrschaft auf Schloss Rathsfeld war es jedoch fast ausnahmslos die Fürstin, die Kinderheime, Kindergärten und Lazarette aufsuchte, Spenden überbrachte und so die Teilnahme des Fürstenhauses zum Ausdruck brachte. Ihr Gemahl, Fürst Günther Viktor, trat lediglich in Erscheinung, wenn er als Landesherr ihren Bestrebungen den rechtlichen Rückhalt gab.

Dies zum Beispiel bei der Überweisung von Geldern an den Frankenhäuser Frauenverein oder der Stiftung des »Anna-Luisen-Verdienstzeichen« im Winter 1918. Die Auszeichnung war ausschließlich für Frauen bestimmt, die sich im Krieg über die Maßen ehrenamtlich engagiert hatten. Im Frühjahr 1918 veräußerte das Fürstenhaus ebenso Schmuck und ließ die daraus erzielten Erlöse an die schwarzburgischen Frauenvereine überweisen. Die bedeutendste Schöpfung des Fürstenpaares war die Stiftung der »Landes-Ehejubiläumsstiftung« 1916 am 19. Januar 1917. Den Anlass dazu gab die Silberhochzeit im Dezember 1916. Sie war vor allem der Fürsorge von Kriegskindern und ihren Familien im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt gewidmet.

Die Unterstützung endete keineswegs mit dem Ausklang der Monarchie und dem Ende des Krieges. Allerdings kam sie auf Grund ablehnender Haltungen gegenüber dem Fürstenhaus innerhalb der Unterherrschaft und besonders in Frankenhausen hier weit weniger in Anwendung als in der Oberherrschaft um Rudolstadt.

Weit über das Ende der Monarchie hinaus und im Unterschied zum Fürsten war ihr Geburtstag auch in der ehemaligen Unterherrschaft Frankenhausen stets mit rückblickender Anerkennung ihres sozialen Engagements verbunden.