Kurbetrieb mit Einränkungen

Wenige Tage nach Kriegsausbruch, am 8. August 1914, gaben die Kur- und Badedirektion und der Verlag der »Frankenhäuser Zeitung« bekannt, dass die Kurzeitung Kur- und Fremdenliste mangels Kurgäste eingestellt wird. Das Kurtheater, das noch am 31. Juli eine große Vorstellung gab, setzte sein Programm vorübergehend aus. Vollständig zum Erliegen kam der Kurbetrieb im Verlauf des Krieges nicht. Einschränkungen ergaben sich vor allem durch die Belegung von Pensionen und Hotels mit Verwundeten. Ab Sommer 1915 stieg die Zahl der Kur- und Badegäste wieder an. Allerdings gab es immer mehr Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber den Erholungssuchenden. Vielfach kamen diese nur, um sich in der ländlichen Gegend mit Lebensmitteln und Landwirtschaftserzeugnissen einzudecken.

Verbreitete Ablehnung gegenüber Kurgästen

In Frankenhausen waren die Hamsterer aus den Großstädten zunehmend verhasst. Landwirte in den Dörfern beklagten vermehrt Felddiebstähle, bei denen oftmals Kurgäste „auf frischer Tat“ ertappt wurden. Im Juni 1918 entschloss sich die schwarzburg-rudolstädtische Landesregierung zu drastischen Maßnahmen, um die Ruhe in der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Sie schränkte den Fremdenverkehr im gesamten Fürstentum fast vollständig ein. Noch 1922 war eine weitverbreitete Ablehnung gegen Kurgäste spürbar. Sie drückte sich in der Weigerung, an Kurgäste zu vermieten, offen aus.

Da die Stadtverwaltung Frankenhausen die seit 1876 bestehende Kinderheilanstalt sofort dem Roten Kreuz als Lazarett überließ, kam der Kinderkurbetrieb längere Zeit zum Stillstand. Um die Kinderkuren nicht dauerhaft abreißen zu lassen, wurden die Verwundeten zeitweise auf Hotels wie die »Frankenburg« verlegt. Ab Juni 1916 wurden im Vier-Wochen-Rhythmus so genannte Ferienkolonien in der Kinderheilanstalt durchgeführt. Speziell Kinder aus größeren Städten wie Nordhausen, die an Unterernährung litten, sollten durch gute Verpflegung wieder an Gewicht zunehmen. Auch der Aufenthalt der Kinder ließ in der Bevölkerung Angst vor einer weiteren Lebensmittelverknappung aufkommen, jedoch wurden hier keinerlei Einschränkungen gemacht. Erst ab 1919 normalisierte sich der Kinderkurbetrieb wieder. Die Aufenthaltsmöglichkeiten wurden durch die Umwandlung von »Villa Therese« 1920 zum Kinderkurheim beträchtlich erweitert. Bereits im Sommer 1920 fanden 660 Kinder Aufnahme. Im Juli 1922 wurde im alten Schützenhaus in der Lindenstraße erstmals eine provisorische Jugendherberge mit 100 Schlafgelegenheiten (Strohmatten) eingerichtet. Später zog diese ins ehemalige »Gasthaus zur Weintraube« in der Bahnhofstraße um (Standort auch wieder in DDR-Zeit).