Lazaree ſta Kurbetrieb

Unmittelbar nach Ausbruch der Kampfhandlungen Anfang August 1914 gründete sich in Frankenhausen eine Ortsgruppe des Roten Kreuzes. Gegenüber der Gemeindeversammlung auf dem Marktplatz, am 5. August, versprach Oberbürgermeister Sternberg, die unter der Aufsicht der Stadtverwaltung stehenden Gebäude der Kinderheilanstalt an der Wipper dem Roten Kreuz zur Verfügung zu stellen. Seitens der Landesregierung wurden ebenso Räumlichkeiten im Frankenhäuser Bezirkskrankenhaus bereitgestellt. Unter Leitung des Arztes Dr. Hans Graef wurden hier ab dem 12. August Kurse in Krankenpflege abgehalten. Allein in den ersten Kursen gab es bis zu 60 Teilnehmer. Im Verlauf der ersten Kriegsmonate sank die Zahl der teilnehmenden Männer auf Grund der Einberufung zum Militär schnell ab. Die durch die Kurse auf ihren Dienst vorbreiteten Frauen und Männer bildeten nun die Sanitätskolonne des Roten Kreuzes.

Bis zur endgültigen Auflösung der Lazarette im Juli 1919 gab es in Frankenhausen bis zu 7 Lazarettstandorte. Zeitweilig wurden bis zu 4 Lazarette gleichzeitig betrieben. Zumeist wurden Pensionen und Hotels, jedoch auch Gaststätten mit großem Saal als Lazarette genutzt. Die Ausstattung und die Versorgung wurde durch Sammlungen im Amtsgerichtsbezirk unterstützt:

Für das Rote Kreuz - Von der Sammelſtee Ringleben:

34 leinen Hemden, 

6 Leibbinden,

8 Barent Hemden,

4 Duend Fußlappen,

6 woenen Unterhemden,

2 ſeidene Halstüer,

12 woenen Unterhoſen,

6 Handtüer,

6 Unterjaen,

1 Debebezug,

40 Taentüer,

2 Kopfkienbezüge,

15 Paar Pulswärmer,

1 Betu.

6 Duend woenen Strümpfe

 

Der erste Lazarettzug mit insgesamt 30 Verwundeten traf am 9. November 1914 auf dem Bahnhof in Frankenhausen ein. Entsprechend ihrer Verwundung verteilte die Sanitätskolonne die Eintreffenden auf die einzelnen Lazarette. Im Juli 1919 wurde mit dem Bezirkskrankenhaus das letzte Lazarett geräumt. Die verbliebenen Verwundeten wurden nach Sondershausen verlegt. Von Oktober 1914 bis Juli 1919 wurden in allen Lazarettstandorten 2982 Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere versorgt. Die weitaus meisten vermochten zu ihren Einheiten zurückkehren. Acht Verwundete erlagen ihren schweren Verletzungen, zwei von ihnen wurden mit militärischen Ehren auf dem Friedhof am Udersleber Weg beigesetzt.

Nach dem Krieg blieb die Ortsgruppe des Roten Kreuzes samt Sanitätskolonne bestehen. Zukünftig nahmen sich die Mitglieder des Notdienstes, der Krankenpflege und der häuslichen Seelsorge an.

Lazaree in Frankenhauſen

Auf Grund der Vielzahl an Lazaretten bezeichnete sich Frankenhausen selbst als Lazarettstadt. Das Bezirkskrankenhaus und »Villa Therese« fanden von 1914 bis 1919 fast ohne Unterbrechung als Lazarett Verwendung. Zeitweilig eingerichtet wurden dafür die Hotels und Pensionen wie das »Parkhotel« (Joedickes Garten, Goehtestraße), die Frankenburg (heute Hotel »Residenz«) und das »Deutsches Haus« (Markt, abgerissen), sowie die Kinderheilanstalt (Kinderkureinrichtung an der Wipper) und das »Kyffhäuser-Technikum« an der Unterkirche.