Agemeine Mobilmaung – Lete Tage daheim

Am 1. August 1914, 17 Uhr, wurde vor dem Berliner Schloss die allgemeine Mobilmachung verkündet. Eine Stunde später läuteten in der Unterherrschaft die Glocken. Auf dem Frankenhäuser Marktplatz spielte die Stadt- und Kurkapelle patriotische Weisen. In zahlreichen Orten strömten die Einwohner in die Kirchen. Gemeinsam sangen die Anwesenden deutsche Schutz- und Trutzlieder wie »Es braust ein Ruf wie Donnerhall« und das evangelische Kirchenlied »Eine feste Burg ist unser Gott«. Anschließend segneten die Pfarrer die zur Einberufung bestimmten jungen Männer. Die Stimmung in den Kirchen war durchaus ernst. Jedoch herrschte unter vielen der jungen Männer Zuversicht an einen herrlichen Sieg. Als Sammelpunkt für die ausrückenden Mannschaften und vorübergehendes militärisches Standquartier des Amtsgerichtsbezirks Frankenhausen wurde die Bürgerschule in der Klosterstraße in Frankenhausen, gegenwärtig Hauptgebäude des »Kyffhäuser-Gymnasiums«, bestimmt.

Bis zum 4. August kamen hier nach und nach fast 1800 Soldaten, Reservisten und Landwehrmänner aus Stadt und Dörfern zusammen. Bezirksoffizier Hauptmann Walliser richtete jeweils einige patriotische Worte an die Vaterlandsverteidiger, die mit einem dreifachen begeisterten Hoch auf Fürst Günther Viktor und Kaiser Wilhelm II. ausklangen. Eingeteilt in Kolonnen, rückten die Männer zu ihren Einheiten aus. Das Ziel der weitaus meisten waren die Kasernen des 3. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 71 in Sondershausen und Erfurt. Auf ihrem Weg durch das Wippertal und die Dörfer Rottleben, Göllingen, Seega und Günserode in Richtung Erfurt konnten sich die Angehörigen noch einmal von ihren ausziehenden Männern, Brüdern und Söhnen verabschieden. Für die Mannschaften des 7. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 96 war der Weg weiter und führte nach Rudolstadt (3. Bataillon) oder gar bis Gera (1. und 2. Bataillon).

Vielfach herrschte Begeisterung. Der Frankenhäuser Paul Schröder, als Verseschmied bekannt unter dem Synonym »Der Kyffhäuserbarde«, beschrieb die Ansichten großer Teile der Bevölkerung mit den Worten:

No nie haen wir Urſae, ſo ſtolz auf unſer Volk zu ſein, wie jet. …Aer Parteihader iſt untergegangen in dem einen großen Wort »Vaterland«.

Eine nachdenkliche Stimmung - und nachdenkliche Stimmen kamen erst in den nachfolgenden Tagen auf.