Die Unterherra Frankenhauſen am Vorabend des Weltkrieges

Die namensgebende Stadt, Frankenhausen, eine Kleinstadt am Fuße des Kyffhäusergebirges, zählte um 1913 rund 6.700 Einwohner. Für die Zeitgenossen war die Stadt keine eigentliche Industriestadt im modernen Sinne, sondern weit eher ein ruhiger Gewerbe- und Kurort. Zu den vorherrschenden Gewerbezweigen gehörten Gerbereien, die Zigarren- und die Knopffabrikation. Letztere zählte rund 450 Beschäftigte. Bedingt durch den Niedergang des Salinewesens gewann die Verwendung der Sole zu Heilzwecken an Zuwachs und der Kur- und Badebetrieb war zu einer wichtigen Erwerbsquelle geworden. Das 1896 begründete „Kyffhäuser-Technikum“, eine höhere Lehranstalt mit Fachrichtungen wie Landmaschinen- und Flugzeugbau, zog bis zu 200 Studierende aus dem In- und Ausland nach Frankenhausen. Unter ihnen Belgier, Luxemburger und Russen.

Die fruchtbaren Böden der „Diamantenen Aue“ machten Bauern und Gutsbesitzern auf den Dörfern zu den reichsten im Fürstentum. Der Anteil der fürstlichen Domänen an Ackerboden und Weiden erreichte je nach Dorfflur bis zu 40%. Einige Bedeutung erlangte auch die Forstwirtschaft, wobei der Fürst allein im Kyffhäusergebirge rund 80% der Waldungen sein Eigen nannte.

In Dörfern wie Esperstedt (Braunkohle), Göllingen und Seega (Kalisalz) erlangte der Bergbau zwischen 1900 und 1924 eine gewisse Bedeutung und ließ die Einwohnerzahlen spürbar ansteigen. Im Kaliwerk „Günthershall“ bei Göllingen wurde Kalisalz nicht allein gefördert, sondern in einem eigenen Werk auch weiterverarbeitet.

Mit der Entdeckung der Barbarossahöhle 1865 bei Rottleben und erst recht mit der Einweihung des „Kaiser-Wilhelm-Denkmal“ (Kyffhäuser-Denkmal) 1896 im Kyffhäusergebirge nahm der Fremdenverkehr spürbar zu. Die Sehenswürdigkeiten als ebenso die romantischen Burgruinen wie Rothenburg und Oberburg Frankenhausen (Hausmannsturm) und Arnsburg (Seega) zogen alljährlich zehntausende Besucher in die Region. Zahlreiche Bewohner der Unterherrschaft hatten sich auf den vor allem im Sommer stark frequentierenden Fremdenverkehr eingerichtet und hielten Zimmer zur Vermietung. Insgesamt gesehen, waren die wirtschaftlichen Verhältnisse 1914 recht vielversprechend, wenn gleich der ländliche Charakter nicht zu übersehen war.