Kloster St. Georgii

Die Gründungszeit

Über die Gründungszeit des Zisterzienserinnenklosters gehen auch in der jüngeren Forschung die Meinungen immer noch erheblich auseinander. Das betrifft sowohl die lokale als auch die überregional und streng wissenschaftlich verhaftete Forschung. Da es keine Stiftungsurkunde gibt, werden die unterschiedlichen Ansichten wohl auch weiterhin Bestand haben.

Zum einen wird die Gründung des Klosters um das Jahr 1190 vermutet. Als Gründer bzw. Stifter werden Godeboldus, „Burggraf von Numburgk“, und seine Gemahlin Bertrada gesehen. Ob sich das Amt des Burggrafen von Godeboldus auf die historisch belegbare Örtlichkeit Numburg nordwestlich am Kyffhäusergebirge bei Kelbra bezieht, ist unbekannt. Bertrada soll entweder aus dem nach 1200 ausgestorbenen Geschlecht der Grafen von Rothenburg oder von Beichlingen gestammt haben. Die Rothenburg ist eine Burgruine am Nordabhang des Kyffhäusergebirges. Diese Ansicht wird dadurch gestützt, dass Propst Burchardus von Jechaburg, ein Sohn des Ehepaares, dem Kloster in Frankenhausen 1193 eine Schenkung gemacht habe.

Zum anderen wird die Gründung in die Zeit um 1215 gelegt. Diese Ansicht stützt sich auf schriftliche Nachrichten im Liber Cronicorum (Erfordensis) für die Jahre 1214 und 1216 und die Annalen des Klosters Reinhardsbrunn bei Friedrichroda in Thüringen zu dem Jahr 1215. Als Stifter wird ein Graf Friedrich von Beichlingen genannt. Da die Genealogie der Grafen von Beichlingen für das 12. und 13. Jahrhundert nach wie vor Fragen aufgibt, ist seine Einordnung innerhalb des Geschlechtes schwierig. Graf Friedrich könnte bis 1229 gelebt haben. Einer seiner Nachfolger ist jener Graf Friedrich von Beichlingen, der im Jahre 1275 verstorben, seine letzte Ruhestätte in der Klosterkirche gefunden hat.

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Die so genannte „Klostermauer“, wahrscheinlich der Rest eines Gebäudes des
Klosters südlich der Unterkirche in Bad Frankenhausen

Der nur bildlich überlieferte Grabstein ist wahrscheinlich jedoch eine Schöpfung des 15. Jahrhunderts. Unbestreitbar ist jedoch, dass die Grafen von Beichlingen–Rothenburg um 1200 in den Besitz der einst zum Reichsgut im nördlichen Thüringen gehörenden Stadt Frankenhausen gelangt sind.

Auf ihr Wirken geht der planmäßige Ausbau der Stadt zurück. Etwa an der Stelle des heutigen Stadtschlosses Frankenhausen (Sitz des Regionalmuseums) stand ihre Burganlage, die im Bauernkrieg 1525 erheblich beschädigt und abgetragen wurde. Die Schutzvogtei über das Nonnenkloster hatten sie bis zum endgültigen Verkauf Frankenhausens an die Grafen von Schwarzburg 1340 inne.

Vom Memorialkloster zur städtischen Hauptkirche

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Kloster Citaux im 16. Jh.
Bild: Public Domain

Bei der Gründung des Klosters griffen der oder die Stifter auf den sich in Europa „explosionsartig“ ausbreitenden Reformorden der Zisterzienser zurück. Ihren Ursprung hatte die monastische Reformbewegung im 1098 begründeten Kloster Citeaux in Burgund genommen. Die Zisterzienser verknüpften die strikt zu befolgenden Regeln des heiligen Benedikt von Nursia († um 560) mit den im Geiste der Liebe stehenden eigenen Regeln und strengen klösterlichen Lebensformen. Grundpfeiler ihrer Lebensform waren das Opus Dei, also das Feiern des nächtlichen Gottesdienstes und Singen der sieben liturgischen Stundengebete, das eigenständige Arbeiten, strenge Askese und das Lesen und Studieren der Heiligen Schrift.

Um 1456 war die Befolgung der Regeln durch die Nonnen soweit vernachlässigt, dass Graf Heinrich XXVI. von Schwarzburg (reg. 1444 – 1488) den Magdeburger Erzbischof Friedrich von Beichlingen (amtiert 1445 – 1464) bat, das Kloster zu visitieren und zu reformieren. Die Visitation zeigte nachhaltigen Erfolg.

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Benedikt von Nursia
Fresko im Kloster von Subiaco, Umbrien, Italien, 15. Jahrhundert
Quelle: wikipedia (Maksim)

Äbtissinnen und Nonnen stammten anfangs zumeist aus namhaften gräflichen Familien der Region als denen von Beichlingen, Hohnstein, Klettenberg, Mansfeld oder Schwarzburg. Seit dem 15. Jh. wurden wichtige Ämter ebenso von Nonnen aus angesehenen Bürgerfamilien wahrgenommen.

Während sich die Nonnen im Bauernkrieg 1525 weitgehend in Sicherheit bringen konnten, wurde das Kloster tiefgründig geplündert. Umfangreich vorhandene Schriftzeugnisse gingen wahrscheinlich hierdurch unwiederbringlich verloren. Einer der Sieger im Bauernkrieg, der katholische Georg der Bärtige von Sachsen (reg. 1500 – 1539), ließ das Nonnenkloster wieder herrichten. Erst nach dem Tod von Herzog Georg 1539 vermochte sich die Reformation in seinen Landen als auch in weiteren Herrschaften der Grafen von Schwarzburg wie Frankenhausen und Sondershausen durchzusetzen.

Einer Aufforderung Günther XL. v. Schwarzburg (reg. 1525/26 – 1552), ihren Nonnischen habit abzulegen und sich an den Regeln der evangelisch-lutherischen Lehre zu orientieren, kamen die wenigen verbliebenen Nonnen wohl nur vereinzelt nach. Ungeachtet seiner Aufforderung löste Graf Günther XL. das Kloster jedoch nicht auf. Die Auflösung vollzog sich bis 1552 auf natürliche Weise. Im Todesjahr von Günther XL. stiftete seine Gemahlin Gräfin Elisabeth, geborene von Isenburg-Büdingen (1507 – 1572), auf dem Klostergelände eine Schule. Als Schulgebäude ausgewählt wurde das ehemalige Refektorium, der Speisesaal des Klosters.

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Refektorium mit Blick auf die Unterkirche
um 1896
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Steintafel an der Nordseite des ehemaligen Refektoriums
heute: (2015) Haus 2 des Kyffhäuser-Gymnasiums

Text der Inschrift

SUB. AVSPICIIS. SERENISSIMI. PRINCIP.
AC. DNI. FRIDERICI. ANTONI. PRINCIP.
SCHWARTZB.AEDIFICIVM.HOC.PERVE.
TVSTVM. OLIM. VIRGINIB. EX. ORD.
CISTERC. AO. MDLII. VERO. MVSIS.
SACRATVM. REFICIENDVM. CVRA.
RVNT. COSS.
IOA. GÜNTHER. HEYDENREICH.
CASP. ELIAS. MÜLDENER.
AO. MDCCXLIII.

Hier wird also berichtet, dass:

„...unter der Regierung des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Friedrich Anton, Fürsten von Schwarzburg, dieses sehr alte Gebäude, welches ehemals den Jungfrauen des Cistercienzer-Ordens gehörte, aber 1552 den Musen geweiht worden war, durch die Fürsorge der Bürgermeister Joh. Günther Heydenreich und Caspar Elias Müldener 1743 repariert worden sei.“

Vom Kloster zur Ingenieurschule („Kyffhäuser-Technikum“)

Im Jahre 1743 wurden die Schulgebäude saniert, worüber ein noch heute in der nördlichen Hauswand eingemauerter Inschriftenstein Auskunft gibt. Sein heutiges Aussehen erhielt dieses Gebäude nach umfassenden Umbauarbeiten 1900 bis 1901, nachdem es 1896 zum Sitz des neu eröffneten „Kyffhäuser-Technikum Frankenhausen“ bestimmt worden war.

In welchem Jahr die Kirche des Klosters zur Hauptkirche erwählt wurde, ist unklar. Die Jahresangaben schwanken zwischen 1546, in dem Jahr die bisherige Hauptkirche St. Jacobi am Markt durch Brand Schaden erlitt, und dem Jahr der Eröffnung der Schule. Die baufällige Klosterkirche wurde 1596 durch Wilhelm I. von Schwarzburg-Frankenhausen (reg. 1560/1571 – 1598) weitgehend abgetragen und bis 1598 durch eine neue Kirche ersetzt.

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Das ehemalige Refektorium nach dem im Jahre 1900/1901 erfolgten Um- und Ausbau.